…Diplom-Bibliothekarin (FH) Cordula Strehl, Mitarbeiterin der Vereinigten Domstifter und Mitglied des Ausstellungsteams der Sonderausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“.

Cordula Strehl, geboren in der Lutherstadt Eisleben, studierte von 1992 – 1996 an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig (FH) Wissenschaftliches Bibliothekswesen. Bereits zu Schulzeiten hegte Sie ein besonders großes Interesse an den Schulfächern Deutsch und Geschichte. Gemäß diesen Interessen sowie ihrer Persönlichkeit entsprechend, entschied sie sich nach dem Abitur für den Studiengang Wissenschaftliches Bibliothekswesen, weil dieser ausreichend Abwechslung in Form von Computer- und Bürotätigkeiten, aber auch einen direkten Umgang mit den Bibliotheksnutzern sowie selbstständiges Arbeiten mit wissenschaftlichen Quellen beinhaltete. Nach Erhalt des Diploms erhielt Cordula Strehl im Jahr 1997 die Stelle als Bibliothekarin bei den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz. Seither betreut sie die Domstiftsbibliothek in Naumburg sowie in Merseburg und die Stiftsbibliothek in Zeitz. Konkret ist sie hier zuständig für die Katalogisierung aller Bibliotheksmedien der Vereinigten Domstifter und deren Eingabe in den Verbundkatalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV), der zur größten Datenbank zur Katalogisierung in Deutschland zählt. Außerdem übernimmt sie den Auskunfts- und Beratungsdienst für Benutzer und beantwortet deren Fragen anhand von schriftlichen Ausarbeitungen oder auch persönlich direkt vor Ort. Die Bestandspflege sowie die Verwaltung und der Aufbau eines Bildarchivs gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben. Darüber hinaus bearbeitet Frau Strehl Bildanfragen zu den Kunst- und Kulturschätzen der Vereinigten Domstifter, die in Publikationen abgedruckt werden. Ebenfalls führt sie Gruppen durch das Domstiftsarchiv und die Domstiftsbibliothek in Naumburg sowie durch die Stiftsbibliothek in Zeitz.

In den nunmehr 20 Jahren, in denen Cordula Strehl als Bibliothekarin (FH) bei den Vereinigten Domstiftern tätig ist, hat sich ihre Faszination zu historischen Werken nur noch mehr vertieft. Bücher bedeuten für Cordula Strehl ein „Stück Geschichte, die man in den Händen halten kann und welche dadurch wieder fassbar und gegenwärtig werden“. Umso mehr begegnet sie den Überlieferungen mit Respekt wie z. B. der Zeitzer Ostertafel aus dem Jahr 447 n. Chr., das älteste Handschriften-Fragment, das in der Stiftsbibliothek aufbewahrt wird. Aber nicht nur die Inhalte prägen die historische Hinterlassenschaft, sondern auch deren teils sehr unterschiedlich und aufwendig gearbeiteten Einbände. „Diese reichen von Pergament-Einbänden, Kettenbänden, Lederbänden mit und ohne Holzdeckel bis hin zur Buntpapierbänden “, begeistert sich Cordula Strehl. Spannend sind auch die Geschichten, welche die handschriftlichen Einträge ehemaliger Besitzer der Bücher erzählen. Zum einen lässt sich darauf lesen, welche Gedanken der Besitzer zu dem jeweiligen Werk hatte und zum anderen erschließt sich anhand unterschiedlicher Schriftarten oder Signaturen, ob es möglicherweise unterschiedliche Besitzer gab und wer diese waren. Auch privat ist Lesen für Cordula Strehl noch ein Vergnügen. „Vor allem gut recherchierte Biografien von interessanten Persönlichkeiten, wie Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern der Vergangenheit lese ich sehr gern“.

Mit der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ erhielt Cordula Strehl nun erstmals die Möglichkeit, als fester Bestandteil des Ausstellungsteams an der Sonderschau mitzuwirken. Ihre vordergründigen Aufgaben umfassten hier diverse Recherchearbeiten, Empfehlungen möglicher Leihobjekte sowie das Erfassen der Leihgaben in einer Datenbank. Sie war außerdem dafür zuständig, Literatur von anderen Bibliotheken über Fernleihen zu beschaffen oder relevante Werke aus den (Dom-)Stiftsbibliotheken bereit zu stellen. Am umfangreichen Katalog zur Ausstellung hat sie ebenfalls mit großen Anteil mitgewirkt, indem sie einige Objektbeschreibungen anfertigte, einen Essay schrieb und bei der Bildredaktion mitarbeitete. Eine der wohl spannendsten Aufgaben für Cordula Strehl war wohl die Rekonstruktion des Gelehrtenzimmers Pflugs nach historischen Quellen. Hierfür zog sie verschiedene Quellen zu Rate, die Hinweise darauf lieferten, welche Elemente typisch für ein Gelehrtenzimmer des 16. Jahrhunderts waren. Die Recherche nach der Lage des Studierzimmers innerhalb der einstigen Zeitzer Bischofsburg sowie die Rekonstruktion der einzelnen Studien- und Kunstobjekte, die sich in dem Raum befanden, gehörten ebenso zu ihren Aufgaben. Glücklicherweise half hierbei die umfangreiche Hinterlassenschaft des Bischofs Julius Pflug selbst. Sowohl ein Katalog seiner gesammelten Werke als auch Inventare, die ein Jahr nach seinem Tod im Jahr 1565 entstanden, geben uns heute Hinweise darauf, wie Pflug seine Arbeitsumgebung gestaltete.

„Mich interessiert an Julius Pflug nicht nur seine Rolle als Bischof und Landesherr sowie als Vermittler zwischen den Konfessionen, sondern auch seine Person als Gelehrter mit seiner umfangreichen Privatbibliothek, die zum Glück fast vollständig erhalten geblieben ist“ erklärt Cordula Strehl auf die Frage hin, was sie persönlich an dem Bischof fasziniert. Mit über 1666 Titeln umfasst die in der Stiftsbibliothek Zeitz aufbewahrte Privatbibliothek Pflugs nahezu alle Wissensgebiete der damaligen Zeit, von Jura, über Theologie, Philologie, Geschichte, Geografie, Astronomie, Mathematik und Medizin, um nur einige zu nennen. Er besaß zudem Bücher in den verschiedenen und dennoch typischen Sprachen eines Gelehrten jener Zeit, wie bspw. Deutsch, Latein, Hebräisch, Griechisch und Italienisch. Bücher waren für Pflug jedoch nicht nur Prestigeobjekte, sondern er las vieler dieser Werke und arbeitete auch damit. „Dies bezeugen die zahlreichen Anmerkungen und Gebrauchsspuren“, so Cordula Strehl. Und sie betont weiter: „Es existieren nur noch wenige solcher umfangreichen Privatibliotheken aus der Reformationszeit. So gibt es von den Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon weder ein zeitgenössisches Inventar noch ein geschlossen erhaltener Bibliotheksbestand.“

Für Cordula Strehl sind daher auch die Stiftsbibliothek mit der Privatbibliothek Julius Pflugs und das rekonstruierte Gelehrtenzimmer u. a. mit dem Himmelsglobus, dem Schreibkabinett, dem Astrolabium sowie der gelungenen, lebensgroßen, echtwirkenden Figur des Bischofs Julius Pflug der Künstlerin Lisa Büscher an einem Wangentisch des 16. Jahrhunderts das Highlight der Ausstellung. Sie empfiehlt daher sich die umfangreichen Bücher aus Pflugs Bibliothek einfach mal genauer anzusehen, seien es die individuellen Einbände, persönliche Notizen oder die Illustrationen in einigen der ausgestellten Werke. Denn eine Bibliothek ist auch immer ein Ort voll von gelebter Geschichte!