Augustinus, De civitate Dei (lat. Vom Gottesstaat) | Erkenbert von Bosau, Bosau, zwischen 1168 und 1180 | Pergament, Handschrift| H. 36 cm, B. 24 cm | Schulpforte, Archiv und Bibliothek der Landesschule Pforta, Ms. A 10

 

Die Pergamenthandschrift von Augustinus‘ De civitate Dei (lat. Vom Gottesstaat) entstand zwischen 1168 und 1180 in der Schreibstube des Klosters Bosau bei Zeitz. Heute ist das Kloster unter dem Namen Posa bekannt. Das 1114 gegründete Benediktinerkloster gehörte im Mittelalter zu den Zentren der Buchmalerei in Mitteldeutschland. Es besaß eine überaus reiche Bibliothek.
Ab 1551 stand Kloster Bosau unter der Verwaltung von Bischof Julius Pflug. Nach Pflugs Tod wurde das Kloster 1565 aufgelöst und die Bosauer Bibliothek gelangte nach kurzem Zwischenstopp im Zeitzer Schloss 1573 schließlich nach Schulpforte. Die im Jahr 1543 neu gegründete Landesschule hatte vom Kurfürsten August die Einrichtung einer Bibliothek bewilligt bekommen. Da der noch vorhandene Buchbestand aus dem Zisterzienserkloster Pforte als nutzlos eingestuft wurde, wies der Kurfürst die Domkapitel zu Naumburg und Merseburg an, unter anderem die Bosauer Bibliothek an die Landesschule Pforta abzugeben.
Unter den Beständen, die nach Schulpforte kamen, befand sich auch die Augustinus-Handschrift. Sie stammt von der Hand des Schreibers Erkenbert, wie dessen eigenhändiger Eintrag in der Schrift beweist. Ob er jedoch auch der Buchmaler gewesen ist, bleibt offen. Erkenberts Tätigkeit ist zwischen 1168 und 1185 urkundlich belegt und stellt einen Höhepunkt der Bosauer Schreibkunst dar. Die sehr sorgfältig und gleichmäßig geschriebene Handschrift ist nicht nur wegen ihrer eleganten Silhouetten- und Rankeninitialen eine herausragende Arbeit. Besonders bekannt ist sie für ihre zwei ganzseitigen, einzigartigen Miniaturen. Dabei zeigt eine den Gottesstaat und eine den weltlichen Staat in jeweils sechs Zeitaltern. Mit ihrer bildlichen Interpretation des Augustinus-Textes ist die Handschrift ein Zeugnis der hohen intellektuellen und künstlerischen Fähigkeiten der Schreiber und Buchmaler des Bosauer Klosters.
Dieses in der Fachliteratur als ein Hauptwerk der thüringisch-meißnischen Malerschule bezeichnete Stück gastiert nach 444 Jahren zum ersten Mal wieder in Zeitz und kann noch bis 1. November in der Sonderausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ besichtigt werden.

 

Die Prachthandschrift befindet sich im Museum Schloss Moritzburg | Raum 6 | Julius Pflug als Bischof und Landesherr