12.06. - 18.06.2017: Gemälde: Kardinal Albrecht von Brandenburg als Heiliger Martin

Gemälde: Kardinal Albrecht von Brandenburg als Heiliger Martin

Museum Schloss Moritzburg | Raum 4 | Studium und Karriere

Simon Franck, Mainz, 1543 | Öl auf Lindenholz | H. 68 cm, B. 56,5 cm (mit Rahmen) | Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz, Foto R.R. Steffens

Diese Woche steht im Zeichen der Mainzer Hochwürden. Bereits am Donnerstag, den 15.06.17, begann die Vortragsreihe zur Ausstellung „Dialog der Konfessionen“ mit einem Beitrag von Karl Kardinal Lehmann, emeritierter Bischof von Mainz, welcher von dem Mainzer Pfarrer Dr. habil. Alexander Nawar eindrucksvoll präsentiert wurde.

Passend entschied man sich nun das aus dem Mainzer Dom- und Diözesanmuseum stammende Gemälde mit dem Bildnis von Kardinal Albrecht von Brandenburg, als das „Exponat der Woche“ auszuzeichnen. Im Rahmen der Ausstellung zu Julius Pflug nimmt das Gemälde des Kardinals einen außergewöhnlichen Stellenwert ein, denn es ist erstmals als Leihgabe an eine Ausstellung vergeben worden.

Das Gemälde zeigt den Mainzer Erzbischof Kardinal Albrecht von Brandenburg (reg. 1514-1545) in der Gestalt des heiligen Martin von Tours, Patrons des Mainzer Erzbistums. Albrecht trägt bischöfliche Insignien und einen Chormantel, beides mit üppigem Perlen- und Edelsteinbesatz.In würdevoller Geste legt er mehrere Goldmünzen in die schlichte Schale eines hargeren Bettlers. Der Kontrast zwischen dem Kirchenfürsten, der nahezu zweidrittel der Bildfläche einnimmt, und dem Armen, der in der rechten unteren Ecke kauert, könnte größer kaum sein. Die ungleichen Bildhälften trennt der Bischofsstab, in dessen Krümme mit dem mantelspendenden heiligen Martin das zentrale Bildmotiv formuliert ist: die „caritas“. Die Botschaft lautet: Als Seelsorger und Gelehrter ist der Mainzer Erzbischof Garant für das Wohl der Christen.

So sieht ihn wohl auch Julius Pflug, der sich zu diesem Zeitpunkt wohl in einem der Domkurienhäuser in Mainz aufhält, wohin er 1539 nach der gewaltsamen Einführung der Reformation in Meißen geflüchtet war. Während seiner Zeit in Mainz (1539-1546) erledigte Pflug für den Kardinal einige Verwaltungsaufgaben sowie diplomatische Missionen und unterstützte ihn bei seinem Vorhaben die beanstandeten kirchlichen Missstände abzuschaffen.

19.06.-25.06.2017: Harnisch für den Tunier- und Feldgebrauch mit dem Wappen der Familie Pflug

Harnisch für den Tunier- und Feldgebrauch mit dem Wappen der Familie Pflug

Museum Schloss Moritzburg | Raum 2/Flur | Herkunft und Familie

Vermutlich sächsisch, zwischen 1530 und 1540 | Eisen getrieben, geätzt und graviert | Priesterhäuser Zwickau, A/1/F | Literatur: Wiener 2012, S. 26 | Copyright: Museum Priesterhäuser Zwickau, Foto: P. Böckelmann


Julius Pflug – Ein Leben in Zeiten des Umbruchs

In den 65 Jahren seines Lebens war Julius Pflug Augenzeuge und Akteur bedeutender Entwicklungen, Umbrüche und Ereignisse. So war seine Biographie immer wieder von zentralen gesellschafts- und kirchenpolitischen Veränderungen geprägt. Hierzu gehörte auch der allmähliche Wandel des Rittertums, der seit dem 14. Jh. einsetzte.

Pflugs Großvater Nickel Pflug zählte noch zu dem „Alten Schlag“ des Ritteradels und so kam es nicht von ungefähr, dass ihm der Beiname „der Eiserne“ verliehen wurde. Mehrfach findet man Zeugnisse, die belegen, dass sich der Großvater Julius Pflugs rege auf den Schlachtfeldern beteiligte. Die Teilnahme an jenen Feldzügen brachten der Familie große Summen und Schuldverschreibungen ein, was Nickel Pflug die Möglichkeit gab, die Besitzungen wie kein zweiter seiner pflugschen Linie zu vergrößern. Auch Nickels Grabstein, welcher ihn als Ideal eines Ritteradligen zeigt, verweist auf seinen hohen Stand und seinen durchaus starken Bezug zum Rittertum.

Durch die Entdeckung Amerikas musste es jedoch zwangsläufig zu einem Umdenken innerhalb der adligen Schicht kommen. Das dadurch ins Wanken geratene Weltbild führte mehr und mehr zu einem Spannungsfeld zwischen dem Altbewerten des Rittertums und dem Verlangen nach Bildung und Aufklärung. Und so war es bereits Nickel Pflug, dem eine Abkehr vom Rittertum und eine Hinwendung zum modernen Handeln zuzuschreiben war. Er veranlasste daher, dass sein Sohn Cäsar Pflug 1469 als einer der ersten seiner Familie ein Studium an der 1409 gegründeten Universität in Leipzig aufnahm. Damit begünstigte er den Wandel hin zu einer Gelehrtenfamilie.

 

Harnisch für den Tunier- und Feldgebrauch

Für diesen Umbruch im 14./15. Jhr. steht sybolisch der Fußturnierharnisch, welcher im Raum 2 – dem Flur im 2. OG des Schlosses – die Herkunfts- und Familiengeschichte (Raum 3) des Julius Pflug einleiten soll. Der Harnisch stammt vermutlich aus dem Besitz des Andreas Pflug (1480 – 1542), einem Onkel des Bischofs Julius Pflug und steht weniger für Kämpfe auf den Schlachtfeldern, sondern vielmehr für höfische Turnierteilnahmen.

Die in der Ausstellung gezeigte Rüstung, die vermutlich aufgrund von Schuldverschreibungen des Andreas Pflug in den Besitz der Stadt Zwickau gelangte, besteht aus einem im Kragen umlaufenden, geschlossenen Helm (Armet), einem vierfach geschobenen Kragen, an dem Mittels Federzapfen die Schultern befestigt sind. Eine Besonderheit des Helms ist das doppelte Visier. Während das äußerlich sichtbare Visier mit zwei vorstehenden Spitzen, Sehschlitzen und Atemlöchern ausgestattet ist, befindet sich darunter ein zweites, eher rundliches Visier, welches unterhalb des Sehschlitze komplett gitterförmig durchbrochen ist. Weiterhin besteht der Harnisch aus einer Brustpartie mit einem Gürtelreifen und drei Bauchreifen sowie der Rückenpartie mit einem Gürtelreifen und einem Gesäßreifen. Die Armzeuge bestehen aus vierfach geschobenen, asymetrischen Schultern mit angesteckten Brechrändern, Vorder- und Hinterflügeln, zweiteiligen Oberarmröhren und Hentzen ohne Daumen. Die Beinzeuge setzen sich aus kurzen, vierfach geschobenen Beintaschen, Diechlingen, Kniebuckeln mit Muscheln und zweiteiligen Beinröhren mit breiten Harnischschuhen (sog. Kuhmäulern) sowie Sporen zusammen.

Den linken Vorderflug oberhalb der Brustpartie des Harnischs ziert das seitenverkehrte Wappen der Familie Pflug. Möglicherweise arbeitete der Ätzmaler mit einer Stichvorlage des Pflugschen Wappens arbeitete und beachtete dabei nicht, diese bei seiner Arbeit zu spiegeln. Der übrige zumeist geätzte und nur in Teilen gravierte bzw. getriebene Dekor besteht aus Blattranken auf gepunkteten Grund mit eingestreuten Putten, Delphinen, Vögeln und diversen Fabelwesen. Auf den Kniemuscheln befinden sich mitten im Dekor große, erhabene Kleeblätter.

Im Gegensatz zu einem militärischen Harnisch, der meist glatt gearbeitet und in schwarz gehalten war, ist der Futurnierharnisch der Adligen mit detailreichen und aufwendigen Verzierungen geschmückt. In Bezug auf den pflugschen Harnisch betonen Experten der Rüstkammer, dass dieser im besonderen die hohe Stellung der Familie Pflug in Sachsen unterstreicht, da dieser von der Qualität der Rüstung eines Kurfürsten gleicht.

26.06. - 02.07.2017: Kreuzigungstafel von Posterstein (Postersteiner Kreuzigung)

Kreuzigungstafel von Posterstein (Postersteiner Kreuzigung)

Museum Schloss Moritzburg | Raum 3 | Herkunft und Familie

Gemälde | Lucas Cranach d. Ä., Wittenberg, um 1516/17 | Öl auf Lindenholz | H. 151,50 cm, B. 99 cm | Restaurierung: 1983-1996, Angela Möller, Dresden | Kunstsammlung Gera, DE_KSG_GM704 |
Ein besonders hochwertiges Exponat der Ausstellung, welches jedoch über die Jahrhunderte sichtbar gelitten hat, ist die Kreuzigungstafel von Posterstein. Das Gemälde des Lucas von Cranach d. Ä. entstand um 1516/17 und stammte ursprünglich wohl aus der Burg Strehla an der der Elbe, dem heutigen Landkreis Meißen.

Die Burg Strehla befand sich seit dem 11. Jahrhundert  im Besitz der Bischöfe von Naumburg und kam 1384 wiederum als Lehen an die Herren Pflug. Erst im 17. Jahrhundert gelangte die Tafel an ihren namensgebenden Ort, der Burg Posterstein, im heutigen Kreis Altenburger Land in Thürigen gelegen. Auch diese Burg war 1528 von Angehörigen der adligen Familie Pflug erworben worden, zu dessen Familienzweig der spätere Bischof von Naumburg Zeitz, Julius Pflug, gehörte. Nach Neugestaltung der Burgkapelle im barocken Stil wurde die Kreuzigungstafel mit einem außergewöhnlichen hölzernen Schnitzwerk (1689) integriert. Nach dem Ausbau der Tafel aus der Burgkapelle wurde das mittlerweile stark beschädigte Tafelbild erst 1939 von der Wissenschaft wiederentdeckt. Durch den Ankauf einer Stiftung gelangte die Kreuzigungstafel anschließend nach Gera, wo diese in mehreren Phasen restauriert wurde.

Die Darstellungen auf dem Postersteiner Altarbild zeichnen sich durch eine klare Frontalkomposition aus. In der Mittelachse befindet sich der sterbende Christus am Kreuz, an dessen Seiten Maria und sein Lieblingsjünger Johannes eine betende Haltung einnehmen. Die trauernde Mutter neigt ihr verhülltes Haupt und hat die gefalteten Hände erhoben. Johannes wiederum, der den blondgelockten Kopf zurückwirft und nach oben blickt, senkt seine gefalteten Hände vor dem Leib. Die Enden vom Schamtuch des Gekreuzigten flattern jeweils in die Richtungen der Begleitpersonen und scheinen die drei so miteinander verbinden zu wollen.

Partiell sichtbar sind die schwarzen Pinselvorzeichnungen von außerordentlicher Feinheit. Als typische Eigentümlichkeit Cranachs fällt die blutende Seitenwunde unterhalb vom Brustbein des Gekreuzigten ins Auge, die überzogen von Blut zu sein scheint. Die frisch geschlagenen Buchenstämme für das Kreuz sind großflächig an den Punkten der Nagelung gebeilt. Schädel und Gebeine auf dem Boden verweisen auf den Hinrichtungshügel Golgota vor den Toren Jerusalems.

Der Hintergrund des Gemäldes ist dreigeteilt. Ein reichliches Drittel beansprucht den oberen Teil des Bildes und zeigt den Rumpf Christi vor einer düsteren Wolkendecke. Es folgt ein stimmungsvoller und lichterfüllter Bereich, der mit den Fußspitzen des Gekreuzigten abschließt. Hingegen tief liegt die Horizontlinie einer fiktiven Landschaft mit burgengekrönter Felspartie und Waldstücken.

Wofür steht nun dieses herausragende Bildnis, welches im Grunde keinen direkten Berührungspunkt zu Bischof Julius Pflug hatte? Wie auch die reich verzierte Ritterrüstung des Andreas Pflug (wir berichteten am 23.06.17) ist das Altarbild sinnbildlich für den Stand der Familie zu sehen. Sowohl mit der Burg Strehla, als auch mit der Burg Posterstein sind anhand der Kreuzigungstafel nur zwei Besitzungen der weitverzweigten und wohlhabenden Familie Pflug genannt. Bereits in der zweiten Hälfte des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts lässt sich ein gezielter Ausbau des pflugschen Besitzes in und um Leipzig erkennen. Dennoch zeigen vor allem die Besitzungen der Burg Strehla und die der Burg Posterstein, dass die Familie Pflug ein Einzugsgebiet vom Meißen über Leipzig und Delitzsch bis hin zum Altenburger Land hatte und nicht umsonst als eine der einflussreichsten Familien Mitteldeutschlands bis in das 17. Jahrhundert hinein galt.

03.07. - 09.07.2017: Das Gemälde des jungen Martin Luther

Der junge Martin Luther

Museum Schloss Moritzburg | Raum 2/Flur | Ein Leben in Zeiten des Umbruchs

Gemälde | Cranach d. Ä.-Nachfolger, 1523 (Inschrift) oder später | ursprünglich Öl auf Holz, wohl 1683 auf Leinwand übertragen und das Bild erweitert und verändert | Höhe: 50,50 cm, Breite: 40,50 cm | Privatbesitz Deutschland | unveröffentlicht.

 

In einer Reformationsausstellung darf der Bezug zu Martin Luther natürlich nicht fehlen. Im Wesentlichen gründen die Überlegungen Julius Pflugs, den eigenen katholischen Glauben zu reformieren und sich so den Protestanten wieder anzunähern, auf den Umbrüchen, die durch die Reformatoren des 15. Jh./16. Jahrhunderts hervorgerufen wurden.

Für das damalige Bistum Naumburg-Zeitz hatte Martin Luther darüberhinaus eine weitere Vorreiter-Rolle. Denn nach der Ernennung zweier Bischöfe unterschiedlicher Konfessionen – Julius Pflug für die katholische Seite und Nikolaus von Amsdorf für die evangelische Seite – war es der große Reformator selbst, der den weltweit ersten evangelischen Bischof im Naumburger Dom in sein Amt einführte.

In der Ausstellung finden sich daher auch vielerlei Exponate, welche die Verbindungen zwischen dem Reformator Luther und dem Katholiken Pflug deutlich machen sollen. Gleich zu Beginn des Raumes 2 der Ausstellung, der über die zeitliche Einordnung Julius Pflugs Auskunft geben soll, wird ein bisher noch unveröffentlichtes Porträt des jungen Martin Luther gezeigt. Das Gemälde Luthers ist bereits in der jungen Lebensphase Pflugs einzuordnen, ist im Zusammenhang mit Pflugs Werdegang von großer Bedeutung, wuchs er doch mit den Parolen und Gedankengängen der Reformatoren, wie beispielsweise Johannes Eck, Johannes Agricola, Philipp Melanchton und natürlich Martin Luther, auf. Auch während seines Studiums, welches er im Alter von 11 Jahren begann, kam Pflug nicht umhin, sich mit den Thesen dieser bedeutenden Reformatoren auseinanderzusetzen und mit dem Thesenanschlag Luthers 1517 Überlegungen anzustellen, diesen reformatorischen Prozessen und der Spaltung der Konfessionen entgegenzuwirken.

Das Gemälde des jungen Martin Luther geht zurück auf die Zeit ab 1523 (laut Inschrift) und wird einem Nachfolger von Cranach d. Ä. zugeschrieben. Es zeigt einen jungen Augustinermönch in einer schwarzen Kutte und mit Doktorhut, der ihn als einen Gelehrten ausweist.  Von diesem „Ursprungs“-Gemälde, das Luther mit engstehenden und für Cranach typischen mandelförmigen Augen zeigt, gibt es mindestens 6 zeitgleiche Kopien bzw. Varianten, zu denen auch das vorgestellte Gemälde zählt, das zwar die Jahreszahl 1523 (oder 1525?) trägt, aber auch kurz danach entstanden sein könnte.

Das in der Ausstellung gezeigte Bild wurde ursprünglich auf Holz gemalt und später – wohl 1683 (Inschrift) – auf Leinwand übertragen. Kurioserweise ergänzte man das Gemälde um den Namenszug „S. THOMAS AQVINAS“ und eine schlecht lesbare italienische Widmungsinschrift an einen Abt. Das Bild befand sich demnach zeitweise in Italien und wurde von einer Lutherdarstellung in eine Heiligendarstellung des Thomas Aquin mittels der Inschrift: „Ab * Ill * Dno * francisco * Rm[…]fucaldio * Randario * Trenochii * Abba * 1683 * Lutetra*“ umgewandelt. Zusätzlich erhielt der als solches nicht identifizierte Luther einen Heiligenschein. Das Gemälde ist ein spannendes Zeugnis einer nunmehr schwer nachzuvollziehenden Reise, bis es den Weg und die Veröffentlichung in der Ausstellung „Dialog der Kofessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ fand.

Passend zum Lutherbildnis wird in der kommenden Woche, genauer am 13.07.2017 um 19.00 Uhr im Festsaal des Museum Schloss Moritzburg, der nächste Vortrag mit dem Titel „Martin Luther. Katholische Anmerkungen zu einem Reformationsjubiläum“ stattfinden. Der Referent Prof. Dr. Pilvousek wird anhand katholischer Ansichten ein Bild von Luther als Kirchenvater und Heilsbringer skizzieren, als der Luther sich allerdings wohl selbst nie sehen wollte. Er empfand sich eher als Reformator des Katholizismus, der erst dann mit den Katholiken brach, als diese seine Vorschläge abwiesen. Pilvousek versucht zudem den Bogen bis in die Ggenwart zu spannen und zu erschließen, worauf für ihn der ökumenische Gedanke aus katholischer Sicht beruht.

10.07. - 16.07.2017: Immatrikulationseintrag des Julius Pflug

Matrikeleintrag des Julius Pflug an der Universität Leipzig

Museum Schloss Moritzburg | Raum 3 | Herkunft und Familie

Leipziger Universitätsmatrikel | Leipzig, 1409 – 1537 | Pergament, 326 Blatt, Holzdeckeleinband mit Leder bezogen | H. 29 cm, B 21,5 cm | Copyright: Universitätsarchiv Leipzig, Rektor M1, pag. 120

Universitäten wie wir sie heute kennen, können nur in geringen Ansätzen mit denen des Mittelalters verglichen werden. Sowohl Studentenzahlen als auch Studienmöglichkeiten waren bis in das 15. Jahrhundert sehr begrenzt. Den Zugang zu einer höheren Bildung erhielten ohnehin nur Männer, meist Söhne reicher Ratsherren sowie Adliger, seltener aber auch Mönche.

Um studieren zu können, musste man vorab nicht einmal eine Schule besucht haben. So ist es nur wenig verwunderlich, dass das Durchschnittsalter der Studenten 12 Jahre betrug. Auch der junge Julius Pflug erwies sich schon frühzeitig als besonders sprachbegabt und vielseitig interessiert. Maßgeblich gefördert von seinem Vater, Caesar Pflug, besuchte er bereits im Vorfeld seines Studiums die Lateinschule im Benediktinerkloster Pegau. Dies war damals von außerordentlicher Wichtigkeit, da der gesamte Lehrbetrieb bis in das 17./18. Jahrhundert hinein auf Latein abgehalten wurde.

Im Sommersemester 1510, bereits im Alter von 11 Jahren, begann Julius sein Studium an der Universität in Leipzig. Als bedeutendes Zeugnis dieses Lebensabschnitts Pflugs wird in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ seine Eintragung in die Leipziger Universitätsmatrikel gezeigt. Diese stellt zugleich den frühesten Beleg seiner Person dar. In die Matrikel wurden, offenbar stets durch den amtierenden Rektor der Universität, die neu ankommenden Studenten eingetragen. Der Student hatte seinen Eid auf ein Schwurblatt abzulegen, dass der Matrikel beigeheftet war. Die Aufzeichnung der Namen geschah nach Herkunftsorten (meist 4) in Nationen getrennt. Die Nationenverfassung der Universität Leipzig umfasste die meißnische (der wettinische Herrschafftsbereich), die sächsische (Nord-/Nordwestdeutschland, Skandinavien, England), die bayerische (Süd-/Südwetdeutschland, Süd- und Westeuropa) und die polnische (Schlesien, Ostdeutschland, Osteuropa). Diesen sogenannten Nationen wurden aus dem Jahresetat fünf Magister bezahlt und desweiteren kamen ihnen innerhalb der Universität wichtige Verwaltungsrechte zu.

Julius Pflug wurde wie all seine Verwandten unter der Meißnischen Nation verzeichnet. Die in der Ausstellung gezeigte Handschrift der Immatrikulation enthält eine mit rot hervorgehobene Markierung des Namens Julius Pflug und zudem den Vermerk, dass es sich hier um den Sohn des herzöglichen Rates Caesar Pflug handelt. Dies unterstreicht einmal mehr die außergewöhnliche Bedeutung der Familie Pflug in der Region in und um Leipzig.

Das Grundstudium eines jeden „Scholars“ bestand im Absolvieren der Artistenfakultät, an der die septem artes liberales (7 freie Künste) gelehrt wurden. Danach hatte man die Möglichkeit an den höheren Fakultäten Medizin, Jura oder Theologie zu studieren. Julius Pflug entschied sich letztendlich für ein Jurastudium. Über seine Studienjahre hin entwickelte er zu den hier lehrenden und bedeutenden Humanisten Petrus Mosellanus und Richard Croke eine besonders enge Bindung. Beispielsweise setzte Julius auf Anraten von Mosellanus sein Studium in den italienischen Städten Bologna und Padua bei bedeutenden Universitätslehrern jener Zeit fort. Hier – und im Anschluss wieder in Leipzig – ging er neben den humanistisch-philosophisch ausgerichteten Fächern vor allem dem Reichs- und Kirchenrecht nach und schloss letzteres erfolgreich als Lizentiat ab. Dies befähigte ihn zum Beispiel für die juristischen Bedürfnisse von Fürsten einzutreten. Damit war vorerst sein Weg für eine Karriere im weltlichen Dienst geebnet.

17.07. - 23.07.2017: Bildnismedaille des Julius Pflug

Museum Schloss Moritzburg | Raum 4 | Studium und Karriere

Friedrich Hagenauer, 1530 | Blei gegossen | Dm. 65 mm | Inschrift: IVLIVS PFLVG. ANNO AETATIS SVAE.XXX.ANNO SALVTIS. MD.XXX (Julius Pflug. Im Alter von 30 Jahren. Im Jahre des Heils 1530) | Leihgeber: Augustiner Chorherrenstift Herzogenburg (Österreich), 3256

Einberufen von Kaiser Karl V. sollte auf dem Augsburger Reichstag die Klärung der religiösen Fragen erzielt werden, um die Zerstrittenheit der Reichsfürsten im Land aufzuheben oder Zumindest zu mindern. Hinzu kam, dass 1530 die Bildung der Konfessionen noch nicht so weit fortgeschritten waren, dass die Hindernisse unüberwindbar schienen. Im Gegenteil! Kaiser Karl V. hoffte, mit dem am 20. Juni 1530 eröffneten Reichstag die Einheit des Glaubens wiederherstellen zu können, um so die politischen Kräfte des Landes für die Abwehr der Türkengefahr aus dem Osten zu bündeln. Diese schickten sich an, in Kerngebiete Mitteleuropas vorzudringen.Der Name Julius Pflug ist mit zahlreichen Religionsgesprächen verbunden, die sowohl auf regionaler Ebene im albertinischen Sachsen, als auch im gesamtdeutschen Reich in größerem Rahmen stattfanden. 1530 beispielsweise begleitete Julius Pflug Herzog Georg von Sachsen auf den Reichstag von Augsburg. Wie bereits sein Vater vor ihm, trat Julius in die Dienste von Herzog Georg, seit 1522 als Rat und seit 1523 auch als Assessor am Obergerichtshof in Leipzig. In den Folgejahren hinterließen die Reformationsbestrebungen Luthers bereits deutliche Spuren. Bedeutende Reichsfürstentümer wie Kursachsen und die Landgrafschaft Hessen hatten sich ebenso wie zahlreiche Reichsstädte der Reformation angeschlossen. Herzog Georg von Sachsen jedoch gehörte zu den wenigen Reichsfürsten, die schon seit der Leipziger Disputation entschiedene Gegener Luthers waren und das Vordringen der Reformation mit allen Mitteln bekämpften.

Zur Lösung der Religionsfrage sollten die protestantischen Fürsten und Reichsstände die Einführung der Reform rechtfertigen, die Katholiken wiederum sollten interne Reformationsmaßnahmen nachweisen. Angeführt wurde die protestantische Seite von Philipp Melanchton, der zudem die geforderte Rechtfertigung in Form der berühmten Augsburger Konfession (Confessio Augustana) erarbeitete. Mit dem darin fixierten Widerspruch der Wittenberger Theologen gegen die Glaubenslehre der römischen Kirche fand der Begriff Protestantismus Eingang in die Reformationsgeschichte.

Als Anbgesandter des sächsischen Herzogs Georg des Bärtigen wurde Julius Pflug bereits mit 30 Jahren Zeuge dieser historischen Verhandlungen, die Melanchton mit seinen Anhängern mit dem Kaiser führte. Zugleich bot sich ihm erstmals die Gelegenheitmit den politischen Eliten des Landes Kontakt zu knüpfen.

Mit der für Julius Pflug geschaffenen Bildnismedaille ordnet er sich in eine Reihe herausragender Reichstagsbesucher ein, von denen der Schöpfer Friedrich Hagenauer – einer der bedeutendsten Medailleure des Reiches – ebenfalls Medaillen anfertigte, wie beispielsweise von Kaiser Karl V., Herzog Georg von Sachsen, Kurfürst Joachim von Brandenburg, Melanchton uvm. Derartige Medaillen wurden vielfach verschenkt, was eine Erklärung für den Aufbewahrungsort des heute einzig belegten Exemplars in Herzogenburg (Österreich) bieten könnte.

Die Bildnismedaille zeigt Julius Pflug als jungen Mann heraldisch nach links gewendet. Er trägt eine Pelzschaube und hat langes glattes Haar, aber (noch) keinen Bart wie auf späteren Gemälden. Die ungefähr sechseinhalb Zentimeter große, aus Blei gegossene Medaille ist vermutlich direkt vor Ort in Augsburg entstanden und bezeugt nicht nur seine Anwesenheit am Augsburger Reichstag, sondern ist zudem das älteste überlieferte Porträt Julius Pflugs.

Ob die Verhandlungen auf dem Augsburger Reichstag zu einer Entspannung der religiösen Fragen oder zu einer Verschärfung des Auseinanderdriftens führten erfahren Sie in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation.“

24.07. - 30.07.2017: Der Heilige Bischof Benno von Meißen zu Gast in Zeitz

Museum Schloss Moritzburg | Raum 2/Flur | Julius Pflug – Ein Leben in Zeiten des Umbruchs

Herrstellung in Altbayern (vermutlich Passau), um 1520 | Künstler unbekannt | Linde, gefasst | H. 117 cm, B. 35 cm, T. 21 cm | Leihgeber: Diözesanmuseum Rottenburg 1.71 | Copyright: Vereinigte Domstifter, Fotos: Jürg Steiner

Geboren wurde Benno um 1010 in der Nähe des niedersächsischen Hildesheim. Leider gibt es kaum zeitgenössische Überlieferungen seiner jungen Lebensphase. Erstmals gesichert tritt Benno 1062 in Erscheinung, als er immerhin bereits im Alter von 52 Jahren war. Urkundlich wird er hier als Hofpriester von König Heinrich IV. genannt, dem damaligen Herrscher des Heiligen römischen Reiches. Dieser ist es auch, der Benno bereits vier Jahre später (1066) zum zehnten Meißner Bischof ernennt. Die Problematik seiner Amtszeit war, dass die Kirche zu jener Zeit in die Vorherrschaft des Kaisertums und somit in ein Abhängigkeitsverhältnis des Staates geraten war. Die Folgen waren kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Kaisertum und Papsttum, zu deren Hauptakteuren König Heinrich IV. (1056 – 1106) und Papst Gregor VII. (1073 – 1085) gehörten. Mit der Ernennung zum Bischof hatte sich Benno von Meißen der Treue des Papstes verpflichtet, als Reichsfürst jedoch war er dem König unterstellt. Dieser Zwiespalt sollte Bischof Benno im Zuge des Investiturstreites endgültig zwischen die Fronten geraten lassen. Benno verweigerte die Beteiligung am königlichen Heeresaufgebot gegen die Aufständischen und wurde daher des Hochverrats verdächtigt. Nachdem Heinrich IV. 1084 Papst Gregor VII. aus Rom vertrieben hatte, ließ er sich zum Kaiser krönen und verbannte all jene Bischöfe, die sich nicht offenkundig zu ihm und seinem kriegerischen Vorgehen bekannt hatten. Hierzu gehörte auch Bischof Benno, der vorübergehend sein Bistum Meißen verlor. Hier beginnt nun die bemerkenswerte Wundererzählung.Die in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ ausgestellte Figur des Bischof Benno von Meißen stammt aus der Zeit um 1520 und wurde noch vor seiner Heiligsprechung den Vermutungen nach im altbayerischen Raum hergestellt. Die Figur zeigt ihn als prachtvoll gewandeten Bischof. Seine Gesichtsbildung weisen ihn als Mann mittleren Alters aus. Der gesenkte Blick Bennos von Meißen ist darauf zurückzuführen, dass die Figur, die aus Lindenholz gefasst ist, ursprünglich Teil eines Altaraschreins war. In der linken Hand hält Benno seinen Bischofsstab, in der rechten ein Buch, auf dem ein Fisch mit einem Schlüssel im Maul zu erkennen ist. Hierin verbirgt sich eine der wundersamsten Legenden des Mittelalters.

Vor seinem Antritt der Verbannung aus Meißen habe Benno den Schlüssel des Doms zu Meißen in die Elbe geworfen, damit der von König Heinrich IV. eingesetzte Gegenbischof Felix nicht in den Dom gelangen konnte. Während seines Exils erklärte Benno sich bereit, den vom König aufgestellten Gegenpapst Clemens III. und damit auch Heinrich IV. zu unterstützen, wodurch er wieder in sein Amt als Bischof von Meißen eingesetzt wurde.

Auf seinem Rückweg nach Meißen kehrte er in einfachen Kleidern eines Wanderers in ein Wirtshaus ein. Dort servierte man ihm einen frischgefangen Fisch. Als Benno diesen zu Essen begann, entdeckte er im Inneren des Fisches den Kirchenschlüssel des Doms zu Meißen, den er selbst auf den Grund der Elbe geworfen hatte. Daraufhin erkannten die Meißner ihn als rechtmäßigen Bischof an und geleiteten ihn zum Dom.

Benno von Meißen übte somit ab 1088 wieder unangefochten sein Amt als Bischof aus und zeichnete sich von nun an vor allem dadurch aus, dass er zwischen den nach wie vor streitenden Parteien vermittelte. Noch knapp 20 weitere Jahr übte er sein Amt aus und starb im sehr hohem Alter am 16. Juni 1106 in Meißen, wo er in „seinem“ Dom beigesetzt wurde.

Doch in welchem Bezug steht die Skulptur des Benno zu Julius Pflug und der Reformation? Sowohl die Wunder, die dem sächsischen Bischof zugeschrieben wurden, als auch seine fromme Lebensführung und sein vermittelndes Wesen waren ausschlagebend dafür, dass Benno im Jahr 1523 von Papst Hadrian heilig gesprochen wurden. Julius Pflug der zu diesem Zeitpunkt Mitglied des Meißner Domkapitels war, wurde 1524 Zeuge der feierlichen Erhebung der Gebeine Bennos und dem Bau des prächtig ausgestatteten Grabmals.

Von Wittenberg aus jedoch ereiferte sich ein wütender Martin Luther gegen diese Verehrung eines Bischofs und dem Aufleben dieses Heiligenkultes. Mit der gewaltsamen Einführung der Reformation in Sachsen im Jahr 1539 kam es zur mutwilligen Zerstörung und Schändung des Bennograbes. Als Meißner Domdekan versuchte sich Julius Pflug noch gegen die Delegation der protestantischen Landesherren zu stellen, jedoch ohne Erfolg. Julius Pflug floh daraufhin an den Mainzer Hof von Kardinal Albrecht (wir berichteten). Die Grabschänder entnahmen die Reliquien und vermeintlichen Gebeine und versanken diese in der Elbe. Durch eine List jedoch wurden die echten Gebeine des Heiligen Bischofs bereits im Vorfeld dem Grab entnommen und bei Nacht und Nebel auf die bischöfliche Burg Stolpen gebracht. Nach einem Umgweg über Wurzen gelangten diese mit Echtheitszertifikat 1580 nach München, wo diese in der Frauenkirche ihre letzte Ruhestätte fanden.

Mehr zu der spannenden Geschichte des Heiligen Bischof Benno von Meißen erfahren Sie bei der Kooperationsausstellung „Ein Schatz nicht von Gold. Benno von Meißen – Sachsens erster Heiliger.“, die noch bis zum 05.11.2017 auf der Albrechtsburg in Meißen stattfindet.