12.06. - 18.06.2017: Gemälde: Kardinal Albrecht von Brandenburg als Heiliger Martin

Gemälde: Kardinal Albrecht von Brandenburg als Heiliger Martin

Museum Schloss Moritzburg | Raum 4 | Studium und Karriere

Simon Franck, Mainz, 1543 | Öl auf Lindenholz | H. 68 cm, B. 56,5 cm (mit Rahmen) | Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz, Foto R.R. Steffens

Diese Woche steht im Zeichen der Mainzer Hochwürden. Bereits am Donnerstag, den 15.06.17, begann die Vortragsreihe zur Ausstellung „Dialog der Konfessionen“ mit einem Beitrag von Karl Kardinal Lehmann, emeritierter Bischof von Mainz, welcher von dem Mainzer Pfarrer Dr. habil. Alexander Nawar eindrucksvoll präsentiert wurde.

Passend entschied man sich nun das aus dem Mainzer Dom- und Diözesanmuseum stammende Gemälde mit dem Bildnis von Kardinal Albrecht von Brandenburg, als das „Exponat der Woche“ auszuzeichnen. Im Rahmen der Ausstellung zu Julius Pflug nimmt das Gemälde des Kardinals einen außergewöhnlichen Stellenwert ein, denn es ist erstmals als Leihgabe an eine Ausstellung vergeben worden.

Das Gemälde zeigt den Mainzer Erzbischof Kardinal Albrecht von Brandenburg (reg. 1514-1545) in der Gestalt des heiligen Martin von Tours, Patrons des Mainzer Erzbistums. Albrecht trägt bischöfliche Insignien und einen Chormantel, beides mit üppigem Perlen- und Edelsteinbesatz.In würdevoller Geste legt er mehrere Goldmünzen in die schlichte Schale eines hargeren Bettlers. Der Kontrast zwischen dem Kirchenfürsten, der nahezu zweidrittel der Bildfläche einnimmt, und dem Armen, der in der rechten unteren Ecke kauert, könnte größer kaum sein. Die ungleichen Bildhälften trennt der Bischofsstab, in dessen Krümme mit dem mantelspendenden heiligen Martin das zentrale Bildmotiv formuliert ist: die „caritas“. Die Botschaft lautet: Als Seelsorger und Gelehrter ist der Mainzer Erzbischof Garant für das Wohl der Christen.

So sieht ihn wohl auch Julius Pflug, der sich zu diesem Zeitpunkt wohl in einem der Domkurienhäuser in Mainz aufhält, wohin er 1539 nach der gewaltsamen Einführung der Reformation in Meißen geflüchtet war. Während seiner Zeit in Mainz (1539-1546) erledigte Pflug für den Kardinal einige Verwaltungsaufgaben sowie diplomatische Missionen und unterstützte ihn bei seinem Vorhaben die beanstandeten kirchlichen Missstände abzuschaffen.

19.06.-25.06.2017: Harnisch für den Tunier- und Feldgebrauch mit dem Wappen der Familie Pflug

Harnisch für den Tunier- und Feldgebrauch mit dem Wappen der Familie Pflug

Museum Schloss Moritzburg | Raum 2/Flur | Herkunft und Familie

Vermutlich sächsisch, zwischen 1530 und 1540 | Eisen getrieben, geätzt und graviert | Priesterhäuser Zwickau, A/1/F | Literatur: Wiener 2012, S. 26 | Copyright: Museum Priesterhäuser Zwickau, Foto: P. Böckelmann


Julius Pflug – Ein Leben in Zeiten des Umbruchs

In den 65 Jahren seines Lebens war Julius Pflug Augenzeuge und Akteur bedeutender Entwicklungen, Umbrüche und Ereignisse. So war seine Biographie immer wieder von zentralen gesellschafts- und kirchenpolitischen Veränderungen geprägt. Hierzu gehörte auch der allmähliche Wandel des Rittertums, der seit dem 14. Jh. einsetzte.

Pflugs Großvater Nickel Pflug zählte noch zu dem „Alten Schlag“ des Ritteradels und so kam es nicht von ungefähr, dass ihm der Beiname „der Eiserne“ verliehen wurde. Mehrfach findet man Zeugnisse, die belegen, dass sich der Großvater Julius Pflugs rege auf den Schlachtfeldern beteiligte. Die Teilnahme an jenen Feldzügen brachten der Familie große Summen und Schuldverschreibungen ein, was Nickel Pflug die Möglichkeit gab, die Besitzungen wie kein zweiter seiner pflugschen Linie zu vergrößern. Auch Nickels Grabstein, welcher ihn als Ideal eines Ritteradligen zeigt, verweist auf seinen hohen Stand und seinen durchaus starken Bezug zum Rittertum.

Durch die Entdeckung Amerikas musste es jedoch zwangsläufig zu einem Umdenken innerhalb der adligen Schicht kommen. Das dadurch ins Wanken geratene Weltbild führte mehr und mehr zu einem Spannungsfeld zwischen dem Altbewerten des Rittertums und dem Verlangen nach Bildung und Aufklärung. Und so war es bereits Nickel Pflug, dem eine Abkehr vom Rittertum und eine Hinwendung zum modernen Handeln zuzuschreiben war. Er veranlasste daher, dass sein Sohn Cäsar Pflug 1469 als einer der ersten seiner Familie ein Studium an der 1409 gegründeten Universität in Leipzig aufnahm. Damit begünstigte er den Wandel hin zu einer Gelehrtenfamilie.

 

Harnisch für den Tunier- und Feldgebrauch

Für diesen Umbruch im 14./15. Jhr. steht sybolisch der Fußturnierharnisch, welcher im Raum 2 – dem Flur im 2. OG des Schlosses – die Herkunfts- und Familiengeschichte (Raum 3) des Julius Pflug einleiten soll. Der Harnisch stammt vermutlich aus dem Besitz des Andreas Pflug (1480 – 1542), einem Onkel des Bischofs Julius Pflug und steht weniger für Kämpfe auf den Schlachtfeldern, sondern vielmehr für höfische Turnierteilnahmen.

Die in der Ausstellung gezeigte Rüstung, die vermutlich aufgrund von Schuldverschreibungen des Andreas Pflug in den Besitz der Stadt Zwickau gelangte, besteht aus einem im Kragen umlaufenden, geschlossenen Helm (Armet), einem vierfach geschobenen Kragen, an dem Mittels Federzapfen die Schultern befestigt sind. Eine Besonderheit des Helms ist das doppelte Visier. Während das äußerlich sichtbare Visier mit zwei vorstehenden Spitzen, Sehschlitzen und Atemlöchern ausgestattet ist, befindet sich darunter ein zweites, eher rundliches Visier, welches unterhalb des Sehschlitze komplett gitterförmig durchbrochen ist. Weiterhin besteht der Harnisch aus einer Brustpartie mit einem Gürtelreifen und drei Bauchreifen sowie der Rückenpartie mit einem Gürtelreifen und einem Gesäßreifen. Die Armzeuge bestehen aus vierfach geschobenen, asymetrischen Schultern mit angesteckten Brechrändern, Vorder- und Hinterflügeln, zweiteiligen Oberarmröhren und Hentzen ohne Daumen. Die Beinzeuge setzen sich aus kurzen, vierfach geschobenen Beintaschen, Diechlingen, Kniebuckeln mit Muscheln und zweiteiligen Beinröhren mit breiten Harnischschuhen (sog. Kuhmäulern) sowie Sporen zusammen.

Den linken Vorderflug oberhalb der Brustpartie des Harnischs ziert das seitenverkehrte Wappen der Familie Pflug. Möglicherweise arbeitete der Ätzmaler mit einer Stichvorlage des Pflugschen Wappens arbeitete und beachtete dabei nicht, diese bei seiner Arbeit zu spiegeln. Der übrige zumeist geätzte und nur in Teilen gravierte bzw. getriebene Dekor besteht aus Blattranken auf gepunkteten Grund mit eingestreuten Putten, Delphinen, Vögeln und diversen Fabelwesen. Auf den Kniemuscheln befinden sich mitten im Dekor große, erhabene Kleeblätter.

Im Gegensatz zu einem militärischen Harnisch, der meist glatt gearbeitet und in schwarz gehalten war, ist der Futurnierharnisch der Adligen mit detailreichen und aufwendigen Verzierungen geschmückt. In Bezug auf den pflugschen Harnisch betonen Experten der Rüstkammer, dass dieser im besonderen die hohe Stellung der Familie Pflug in Sachsen unterstreicht, da dieser von der Qualität der Rüstung eines Kurfürsten gleicht.

26.06. - 02.07.2017: Kreuzigungstafel von Posterstein (Postersteiner Kreuzigung)

Kreuzigungstafel von Posterstein (Postersteiner Kreuzigung)

Museum Schloss Moritzburg | Raum 3 | Herkunft und Familie

Gemälde | Lucas Cranach d. Ä., Wittenberg, um 1516/17 | Öl auf Lindenholz | H. 151,50 cm, B. 99 cm | Restaurierung: 1983-1996, Angela Möller, Dresden | Kunstsammlung Gera, DE_KSG_GM704 |
Ein besonders hochwertiges Exponat der Ausstellung, welches jedoch über die Jahrhunderte sichtbar gelitten hat, ist die Kreuzigungstafel von Posterstein. Das Gemälde des Lucas von Cranach d. Ä. entstand um 1516/17 und stammte ursprünglich wohl aus der Burg Strehla an der der Elbe, dem heutigen Landkreis Meißen.

Die Burg Strehla befand sich seit dem 11. Jahrhundert  im Besitz der Bischöfe von Naumburg und kam 1384 wiederum als Lehen an die Herren Pflug. Erst im 17. Jahrhundert gelangte die Tafel an ihren namensgebenden Ort, der Burg Posterstein, im heutigen Kreis Altenburger Land in Thürigen gelegen. Auch diese Burg war 1528 von Angehörigen der adligen Familie Pflug erworben worden, zu dessen Familienzweig der spätere Bischof von Naumburg Zeitz, Julius Pflug, gehörte. Nach Neugestaltung der Burgkapelle im barocken Stil wurde die Kreuzigungstafel mit einem außergewöhnlichen hölzernen Schnitzwerk (1689) integriert. Nach dem Ausbau der Tafel aus der Burgkapelle wurde das mittlerweile stark beschädigte Tafelbild erst 1939 von der Wissenschaft wiederentdeckt. Durch den Ankauf einer Stiftung gelangte die Kreuzigungstafel anschließend nach Gera, wo diese in mehreren Phasen restauriert wurde.

Die Darstellungen auf dem Postersteiner Altarbild zeichnen sich durch eine klare Frontalkomposition aus. In der Mittelachse befindet sich der sterbende Christus am Kreuz, an dessen Seiten Maria und sein Lieblingsjünger Johannes eine betende Haltung einnehmen. Die trauernde Mutter neigt ihr verhülltes Haupt und hat die gefalteten Hände erhoben. Johannes wiederum, der den blondgelockten Kopf zurückwirft und nach oben blickt, senkt seine gefalteten Hände vor dem Leib. Die Enden vom Schamtuch des Gekreuzigten flattern jeweils in die Richtungen der Begleitpersonen und scheinen die drei so miteinander verbinden zu wollen.

Partiell sichtbar sind die schwarzen Pinselvorzeichnungen von außerordentlicher Feinheit. Als typische Eigentümlichkeit Cranachs fällt die blutende Seitenwunde unterhalb vom Brustbein des Gekreuzigten ins Auge, die überzogen von Blut zu sein scheint. Die frisch geschlagenen Buchenstämme für das Kreuz sind großflächig an den Punkten der Nagelung gebeilt. Schädel und Gebeine auf dem Boden verweisen auf den Hinrichtungshügel Golgota vor den Toren Jerusalems.

Der Hintergrund des Gemäldes ist dreigeteilt. Ein reichliches Drittel beansprucht den oberen Teil des Bildes und zeigt den Rumpf Christi vor einer düsteren Wolkendecke. Es folgt ein stimmungsvoller und lichterfüllter Bereich, der mit den Fußspitzen des Gekreuzigten abschließt. Hingegen tief liegt die Horizontlinie einer fiktiven Landschaft mit burgengekrönter Felspartie und Waldstücken.

Wofür steht nun dieses herausragende Bildnis, welches im Grunde keinen direkten Berührungspunkt zu Bischof Julius Pflug hatte? Wie auch die reich verzierte Ritterrüstung des Andreas Pflug (wir berichteten am 23.06.17) ist das Altarbild sinnbildlich für den Stand der Familie zu sehen. Sowohl mit der Burg Strehla, als auch mit der Burg Posterstein sind anhand der Kreuzigungstafel nur zwei Besitzungen der weitverzweigten und wohlhabenden Familie Pflug genannt. Bereits in der zweiten Hälfte des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts lässt sich ein gezielter Ausbau des pflugschen Besitzes in und um Leipzig erkennen. Dennoch zeigen vor allem die Besitzungen der Burg Strehla und die der Burg Posterstein, dass die Familie Pflug ein Einzugsgebiet vom Meißen über Leipzig und Delitzsch bis hin zum Altenburger Land hatte und nicht umsonst als eine der einflussreichsten Familien Mitteldeutschlands bis in das 17. Jahrhundert hinein galt.

03.07. - 09.07.2017: Das Gemälde des jungen Martin Luther

Der junge Martin Luther

Museum Schloss Moritzburg | Raum 2/Flur | Ein Leben in Zeiten des Umbruchs

Gemälde | Cranach d. Ä.-Nachfolger, 1523 (Inschrift) oder später | ursprünglich Öl auf Holz, wohl 1683 auf Leinwand übertragen und das Bild erweitert und verändert | Höhe: 50,50 cm, Breite: 40,50 cm | Privatbesitz Deutschland | unveröffentlicht.

 

In einer Reformationsausstellung darf der Bezug zu Martin Luther natürlich nicht fehlen. Im Wesentlichen gründen die Überlegungen Julius Pflugs, den eigenen katholischen Glauben zu reformieren und sich so den Protestanten wieder anzunähern, auf den Umbrüchen, die durch die Reformatoren des 15. Jh./16. Jahrhunderts hervorgerufen wurden.

Für das damalige Bistum Naumburg-Zeitz hatte Martin Luther darüberhinaus eine weitere Vorreiter-Rolle. Denn nach der Ernennung zweier Bischöfe unterschiedlicher Konfessionen – Julius Pflug für die katholische Seite und Nikolaus von Amsdorf für die evangelische Seite – war es der große Reformator selbst, der den weltweit ersten evangelischen Bischof im Naumburger Dom in sein Amt einführte.

In der Ausstellung finden sich daher auch vielerlei Exponate, welche die Verbindungen zwischen dem Reformator Luther und dem Katholiken Pflug deutlich machen sollen. Gleich zu Beginn des Raumes 2 der Ausstellung, der über die zeitliche Einordnung Julius Pflugs Auskunft geben soll, wird ein bisher noch unveröffentlichtes Porträt des jungen Martin Luther gezeigt. Das Gemälde Luthers ist bereits in der jungen Lebensphase Pflugs einzuordnen, ist im Zusammenhang mit Pflugs Werdegang von großer Bedeutung, wuchs er doch mit den Parolen und Gedankengängen der Reformatoren, wie beispielsweise Johannes Eck, Johannes Agricola, Philipp Melanchton und natürlich Martin Luther, auf. Auch während seines Studiums, welches er im Alter von 11 Jahren begann, kam Pflug nicht umhin, sich mit den Thesen dieser bedeutenden Reformatoren auseinanderzusetzen und mit dem Thesenanschlag Luthers 1517 Überlegungen anzustellen, diesen reformatorischen Prozessen und der Spaltung der Konfessionen entgegenzuwirken.

Das Gemälde des jungen Martin Luther geht zurück auf die Zeit ab 1523 (laut Inschrift) und wird einem Nachfolger von Cranach d. Ä. zugeschrieben. Es zeigt einen jungen Augustinermönch in einer schwarzen Kutte und mit Doktorhut, der ihn als einen Gelehrten ausweist.  Von diesem „Ursprungs“-Gemälde, das Luther mit engstehenden und für Cranach typischen mandelförmigen Augen zeigt, gibt es mindestens 6 zeitgleiche Kopien bzw. Varianten, zu denen auch das vorgestellte Gemälde zählt, das zwar die Jahreszahl 1523 (oder 1525?) trägt, aber auch kurz danach entstanden sein könnte.

Das in der Ausstellung gezeigte Bild wurde ursprünglich auf Holz gemalt und später – wohl 1683 (Inschrift) – auf Leinwand übertragen. Kurioserweise ergänzte man das Gemälde um den Namenszug „S. THOMAS AQVINAS“ und eine schlecht lesbare italienische Widmungsinschrift an einen Abt. Das Bild befand sich demnach zeitweise in Italien und wurde von einer Lutherdarstellung in eine Heiligendarstellung des Thomas Aquin mittels der Inschrift: „Ab * Ill * Dno * francisco * Rm[…]fucaldio * Randario * Trenochii * Abba * 1683 * Lutetra*“ umgewandelt. Zusätzlich erhielt der als solches nicht identifizierte Luther einen Heiligenschein. Das Gemälde ist ein spannendes Zeugnis einer nunmehr schwer nachzuvollziehenden Reise, bis es den Weg und die Veröffentlichung in der Ausstellung „Dialog der Kofessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ fand.

Passend zum Lutherbildnis wird in der kommenden Woche, genauer am 13.07.2017 um 19.00 Uhr im Festsaal des Museum Schloss Moritzburg, der nächste Vortrag mit dem Titel „Martin Luther. Katholische Anmerkungen zu einem Reformationsjubiläum“ stattfinden. Der Referent Prof. Dr. Pilvousek wird anhand katholischer Ansichten ein Bild von Luther als Kirchenvater und Heilsbringer skizzieren, als der Luther sich allerdings wohl selbst nie sehen wollte. Er empfand sich eher als Reformator des Katholizismus, der erst dann mit den Katholiken brach, als diese seine Vorschläge abwiesen. Pilvousek versucht zudem den Bogen bis in die Ggenwart zu spannen und zu erschließen, worauf für ihn der ökumenische Gedanke aus katholischer Sicht beruht.

10.07. - 16.07.2017: Immatrikulationseintrag des Julius Pflug

Matrikeleintrag des Julius Pflug an der Universität Leipzig

Museum Schloss Moritzburg | Raum 3 | Herkunft und Familie

Leipziger Universitätsmatrikel | Leipzig, 1409 – 1537 | Pergament, 326 Blatt, Holzdeckeleinband mit Leder bezogen | H. 29 cm, B 21,5 cm | Copyright: Universitätsarchiv Leipzig, Rektor M1, pag. 120

Universitäten wie wir sie heute kennen, können nur in geringen Ansätzen mit denen des Mittelalters verglichen werden. Sowohl Studentenzahlen als auch Studienmöglichkeiten waren bis in das 15. Jahrhundert sehr begrenzt. Den Zugang zu einer höheren Bildung erhielten ohnehin nur Männer, meist Söhne reicher Ratsherren sowie Adliger, seltener aber auch Mönche.

Um studieren zu können, musste man vorab nicht einmal eine Schule besucht haben. So ist es nur wenig verwunderlich, dass das Durchschnittsalter der Studenten 12 Jahre betrug. Auch der junge Julius Pflug erwies sich schon frühzeitig als besonders sprachbegabt und vielseitig interessiert. Maßgeblich gefördert von seinem Vater, Caesar Pflug, besuchte er bereits im Vorfeld seines Studiums die Lateinschule im Benediktinerkloster Pegau. Dies war damals von außerordentlicher Wichtigkeit, da der gesamte Lehrbetrieb bis in das 17./18. Jahrhundert hinein auf Latein abgehalten wurde.

Im Sommersemester 1510, bereits im Alter von 11 Jahren, begann Julius sein Studium an der Universität in Leipzig. Als bedeutendes Zeugnis dieses Lebensabschnitts Pflugs wird in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ seine Eintragung in die Leipziger Universitätsmatrikel gezeigt. Diese stellt zugleich den frühesten Beleg seiner Person dar. In die Matrikel wurden, offenbar stets durch den amtierenden Rektor der Universität, die neu ankommenden Studenten eingetragen. Der Student hatte seinen Eid auf ein Schwurblatt abzulegen, dass der Matrikel beigeheftet war. Die Aufzeichnung der Namen geschah nach Herkunftsorten (meist 4) in Nationen getrennt. Die Nationenverfassung der Universität Leipzig umfasste die meißnische (der wettinische Herrschafftsbereich), die sächsische (Nord-/Nordwestdeutschland, Skandinavien, England), die bayerische (Süd-/Südwetdeutschland, Süd- und Westeuropa) und die polnische (Schlesien, Ostdeutschland, Osteuropa). Diesen sogenannten Nationen wurden aus dem Jahresetat fünf Magister bezahlt und desweiteren kamen ihnen innerhalb der Universität wichtige Verwaltungsrechte zu.

Julius Pflug wurde wie all seine Verwandten unter der Meißnischen Nation verzeichnet. Die in der Ausstellung gezeigte Handschrift der Immatrikulation enthält eine mit rot hervorgehobene Markierung des Namens Julius Pflug und zudem den Vermerk, dass es sich hier um den Sohn des herzöglichen Rates Caesar Pflug handelt. Dies unterstreicht einmal mehr die außergewöhnliche Bedeutung der Familie Pflug in der Region in und um Leipzig.

Das Grundstudium eines jeden „Scholars“ bestand im Absolvieren der Artistenfakultät, an der die septem artes liberales (7 freie Künste) gelehrt wurden. Danach hatte man die Möglichkeit an den höheren Fakultäten Medizin, Jura oder Theologie zu studieren. Julius Pflug entschied sich letztendlich für ein Jurastudium. Über seine Studienjahre hin entwickelte er zu den hier lehrenden und bedeutenden Humanisten Petrus Mosellanus und Richard Croke eine besonders enge Bindung. Beispielsweise setzte Julius auf Anraten von Mosellanus sein Studium in den italienischen Städten Bologna und Padua bei bedeutenden Universitätslehrern jener Zeit fort. Hier – und im Anschluss wieder in Leipzig – ging er neben den humanistisch-philosophisch ausgerichteten Fächern vor allem dem Reichs- und Kirchenrecht nach und schloss letzteres erfolgreich als Lizentiat ab. Dies befähigte ihn zum Beispiel für die juristischen Bedürfnisse von Fürsten einzutreten. Damit war vorerst sein Weg für eine Karriere im weltlichen Dienst geebnet.

17.07. - 23.07.2017: Bildnismedaille des Julius Pflug

Museum Schloss Moritzburg | Raum 4 | Studium und Karriere

Friedrich Hagenauer, 1530 | Blei gegossen | Dm. 65 mm | Inschrift: IVLIVS PFLVG. ANNO AETATIS SVAE.XXX.ANNO SALVTIS. MD.XXX (Julius Pflug. Im Alter von 30 Jahren. Im Jahre des Heils 1530) | Leihgeber: Augustiner Chorherrenstift Herzogenburg (Österreich), 3256

Einberufen von Kaiser Karl V. sollte auf dem Augsburger Reichstag die Klärung der religiösen Fragen erzielt werden, um die Zerstrittenheit der Reichsfürsten im Land aufzuheben oder Zumindest zu mindern. Hinzu kam, dass 1530 die Bildung der Konfessionen noch nicht so weit fortgeschritten waren, dass die Hindernisse unüberwindbar schienen. Im Gegenteil! Kaiser Karl V. hoffte, mit dem am 20. Juni 1530 eröffneten Reichstag die Einheit des Glaubens wiederherstellen zu können, um so die politischen Kräfte des Landes für die Abwehr der Türkengefahr aus dem Osten zu bündeln. Diese schickten sich an, in Kerngebiete Mitteleuropas vorzudringen.Der Name Julius Pflug ist mit zahlreichen Religionsgesprächen verbunden, die sowohl auf regionaler Ebene im albertinischen Sachsen, als auch im gesamtdeutschen Reich in größerem Rahmen stattfanden. 1530 beispielsweise begleitete Julius Pflug Herzog Georg von Sachsen auf den Reichstag von Augsburg. Wie bereits sein Vater vor ihm, trat Julius in die Dienste von Herzog Georg, seit 1522 als Rat und seit 1523 auch als Assessor am Obergerichtshof in Leipzig. In den Folgejahren hinterließen die Reformationsbestrebungen Luthers bereits deutliche Spuren. Bedeutende Reichsfürstentümer wie Kursachsen und die Landgrafschaft Hessen hatten sich ebenso wie zahlreiche Reichsstädte der Reformation angeschlossen. Herzog Georg von Sachsen jedoch gehörte zu den wenigen Reichsfürsten, die schon seit der Leipziger Disputation entschiedene Gegener Luthers waren und das Vordringen der Reformation mit allen Mitteln bekämpften.

Zur Lösung der Religionsfrage sollten die protestantischen Fürsten und Reichsstände die Einführung der Reform rechtfertigen, die Katholiken wiederum sollten interne Reformationsmaßnahmen nachweisen. Angeführt wurde die protestantische Seite von Philipp Melanchton, der zudem die geforderte Rechtfertigung in Form der berühmten Augsburger Konfession (Confessio Augustana) erarbeitete. Mit dem darin fixierten Widerspruch der Wittenberger Theologen gegen die Glaubenslehre der römischen Kirche fand der Begriff Protestantismus Eingang in die Reformationsgeschichte.

Als Anbgesandter des sächsischen Herzogs Georg des Bärtigen wurde Julius Pflug bereits mit 30 Jahren Zeuge dieser historischen Verhandlungen, die Melanchton mit seinen Anhängern mit dem Kaiser führte. Zugleich bot sich ihm erstmals die Gelegenheitmit den politischen Eliten des Landes Kontakt zu knüpfen.

Mit der für Julius Pflug geschaffenen Bildnismedaille ordnet er sich in eine Reihe herausragender Reichstagsbesucher ein, von denen der Schöpfer Friedrich Hagenauer – einer der bedeutendsten Medailleure des Reiches – ebenfalls Medaillen anfertigte, wie beispielsweise von Kaiser Karl V., Herzog Georg von Sachsen, Kurfürst Joachim von Brandenburg, Melanchton uvm. Derartige Medaillen wurden vielfach verschenkt, was eine Erklärung für den Aufbewahrungsort des heute einzig belegten Exemplars in Herzogenburg (Österreich) bieten könnte.

Die Bildnismedaille zeigt Julius Pflug als jungen Mann heraldisch nach links gewendet. Er trägt eine Pelzschaube und hat langes glattes Haar, aber (noch) keinen Bart wie auf späteren Gemälden. Die ungefähr sechseinhalb Zentimeter große, aus Blei gegossene Medaille ist vermutlich direkt vor Ort in Augsburg entstanden und bezeugt nicht nur seine Anwesenheit am Augsburger Reichstag, sondern ist zudem das älteste überlieferte Porträt Julius Pflugs.

Ob die Verhandlungen auf dem Augsburger Reichstag zu einer Entspannung der religiösen Fragen oder zu einer Verschärfung des Auseinanderdriftens führten erfahren Sie in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation.“

24.07. - 30.07.2017: Der Heilige Bischof Benno von Meißen zu Gast in Zeitz

Museum Schloss Moritzburg | Raum 2/Flur | Julius Pflug – Ein Leben in Zeiten des Umbruchs

Herrstellung in Altbayern (vermutlich Passau), um 1520 | Künstler unbekannt | Linde, gefasst | H. 117 cm, B. 35 cm, T. 21 cm | Leihgeber: Diözesanmuseum Rottenburg 1.71 | Copyright: Vereinigte Domstifter, Fotos: Jürg Steiner

Geboren wurde Benno um 1010 in der Nähe des niedersächsischen Hildesheim. Leider gibt es kaum zeitgenössische Überlieferungen seiner jungen Lebensphase. Erstmals gesichert tritt Benno 1062 in Erscheinung, als er immerhin bereits im Alter von 52 Jahren war. Urkundlich wird er hier als Hofpriester von König Heinrich IV. genannt, dem damaligen Herrscher des Heiligen römischen Reiches. Dieser ist es auch, der Benno bereits vier Jahre später (1066) zum zehnten Meißner Bischof ernennt. Die Problematik seiner Amtszeit war, dass die Kirche zu jener Zeit in die Vorherrschaft des Kaisertums und somit in ein Abhängigkeitsverhältnis des Staates geraten war. Die Folgen waren kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Kaisertum und Papsttum, zu deren Hauptakteuren König Heinrich IV. (1056 – 1106) und Papst Gregor VII. (1073 – 1085) gehörten. Mit der Ernennung zum Bischof hatte sich Benno von Meißen der Treue des Papstes verpflichtet, als Reichsfürst jedoch war er dem König unterstellt. Dieser Zwiespalt sollte Bischof Benno im Zuge des Investiturstreites endgültig zwischen die Fronten geraten lassen. Benno verweigerte die Beteiligung am königlichen Heeresaufgebot gegen die Aufständischen und wurde daher des Hochverrats verdächtigt. Nachdem Heinrich IV. 1084 Papst Gregor VII. aus Rom vertrieben hatte, ließ er sich zum Kaiser krönen und verbannte all jene Bischöfe, die sich nicht offenkundig zu ihm und seinem kriegerischen Vorgehen bekannt hatten. Hierzu gehörte auch Bischof Benno, der vorübergehend sein Bistum Meißen verlor. Hier beginnt nun die bemerkenswerte Wundererzählung.Die in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ ausgestellte Figur des Bischof Benno von Meißen stammt aus der Zeit um 1520 und wurde noch vor seiner Heiligsprechung den Vermutungen nach im altbayerischen Raum hergestellt. Die Figur zeigt ihn als prachtvoll gewandeten Bischof. Seine Gesichtsbildung weisen ihn als Mann mittleren Alters aus. Der gesenkte Blick Bennos von Meißen ist darauf zurückzuführen, dass die Figur, die aus Lindenholz gefasst ist, ursprünglich Teil eines Altaraschreins war. In der linken Hand hält Benno seinen Bischofsstab, in der rechten ein Buch, auf dem ein Fisch mit einem Schlüssel im Maul zu erkennen ist. Hierin verbirgt sich eine der wundersamsten Legenden des Mittelalters.

Vor seinem Antritt der Verbannung aus Meißen habe Benno den Schlüssel des Doms zu Meißen in die Elbe geworfen, damit der von König Heinrich IV. eingesetzte Gegenbischof Felix nicht in den Dom gelangen konnte. Während seines Exils erklärte Benno sich bereit, den vom König aufgestellten Gegenpapst Clemens III. und damit auch Heinrich IV. zu unterstützen, wodurch er wieder in sein Amt als Bischof von Meißen eingesetzt wurde.

Auf seinem Rückweg nach Meißen kehrte er in einfachen Kleidern eines Wanderers in ein Wirtshaus ein. Dort servierte man ihm einen frischgefangen Fisch. Als Benno diesen zu Essen begann, entdeckte er im Inneren des Fisches den Kirchenschlüssel des Doms zu Meißen, den er selbst auf den Grund der Elbe geworfen hatte. Daraufhin erkannten die Meißner ihn als rechtmäßigen Bischof an und geleiteten ihn zum Dom.

Benno von Meißen übte somit ab 1088 wieder unangefochten sein Amt als Bischof aus und zeichnete sich von nun an vor allem dadurch aus, dass er zwischen den nach wie vor streitenden Parteien vermittelte. Noch knapp 20 weitere Jahr übte er sein Amt aus und starb im sehr hohem Alter am 16. Juni 1106 in Meißen, wo er in „seinem“ Dom beigesetzt wurde.

Doch in welchem Bezug steht die Skulptur des Benno zu Julius Pflug und der Reformation? Sowohl die Wunder, die dem sächsischen Bischof zugeschrieben wurden, als auch seine fromme Lebensführung und sein vermittelndes Wesen waren ausschlagebend dafür, dass Benno im Jahr 1523 von Papst Hadrian heilig gesprochen wurden. Julius Pflug der zu diesem Zeitpunkt Mitglied des Meißner Domkapitels war, wurde 1524 Zeuge der feierlichen Erhebung der Gebeine Bennos und dem Bau des prächtig ausgestatteten Grabmals.

Von Wittenberg aus jedoch ereiferte sich ein wütender Martin Luther gegen diese Verehrung eines Bischofs und dem Aufleben dieses Heiligenkultes. Mit der gewaltsamen Einführung der Reformation in Sachsen im Jahr 1539 kam es zur mutwilligen Zerstörung und Schändung des Bennograbes. Als Meißner Domdekan versuchte sich Julius Pflug noch gegen die Delegation der protestantischen Landesherren zu stellen, jedoch ohne Erfolg. Julius Pflug floh daraufhin an den Mainzer Hof von Kardinal Albrecht (wir berichteten). Die Grabschänder entnahmen die Reliquien und vermeintlichen Gebeine und versanken diese in der Elbe. Durch eine List jedoch wurden die echten Gebeine des Heiligen Bischofs bereits im Vorfeld dem Grab entnommen und bei Nacht und Nebel auf die bischöfliche Burg Stolpen gebracht. Nach einem Umgweg über Wurzen gelangten diese mit Echtheitszertifikat 1580 nach München, wo diese in der Frauenkirche ihre letzte Ruhestätte fanden.

Mehr zu der spannenden Geschichte des Heiligen Bischof Benno von Meißen erfahren Sie bei der Kooperationsausstellung „Ein Schatz nicht von Gold. Benno von Meißen – Sachsens erster Heiliger.“, die noch bis zum 05.11.2017 auf der Albrechtsburg in Meißen stattfindet.

31.07. - 06.08.2017: Thriumphkreuz von Eythra

Museum Schloss Moritzburg | Raum 8 | Frömmigkeit und Liturgie im Wandel des 16. Jahrhunderts

Unbekannter Meister, Eythra, um 1560 | Korpus: Lindenholz, gehöhlt und gefasst | Höhe 229 cm, Breite: 226 cm | Trägerkreuz: Bohlenkonstruktion als Standkreuz | Leihgeber: Stadtgeschichtliches Museum, Pl. 45 (als Leihgabe in der Ev.-Luth. Kirche Leipzig-Sommerfeld

Ein Triumphkreuz (lat. Crux triumphalis) ist ein monumentales Kruzifix, welches zur Ausstattung mittelalterlicher Kirchen gehörte. Die Begrifflichkeit Triumphkreuz verweist anhand der mit Nägeln an das Kreuz geschlagene Christusfigur auf dessen Triumph über den Tod. In den Kirchen hängt das Triumphkruzifix  zumeist zwischen Chor und Kirchenschiff innerhalb des Triumphbogens, dem Eingangsbogen des Chors oder es steht an gleicher Stelle auf einem Querbalken.

In der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ begegnet der Besucher einem solchen Triumphkruzifix beim betreten des Raumes 8. Hier, im sogenannten Christopherusgewölbe des Zeitzer Doms, der für seine prächtigen Wandmalereien aus Zeiten Julius Pflugs bekannt ist, wird auf Kontinuitäten aber auch einschneidende Brüche innerhalb der Frömmigkeit und Liturgie im 16. Jahrhundert eingegangen. Aufgrund der monumentalen Erscheinung des Kreuzes wird der Besucher gleich zu Beginn des Raumes in seinen Bann gezogen. Mit einer Höhe von 2,29 Metern und einer Spannweite von 2,26 Metern stellt das Triumphkreuz das größte Exponat der Ausstellung dar. Das Holzbildwerk aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts folgt noch der spätgotischen Tradition, lässt aber zugleich bereits Elemente der Frührenaissance einfließen.

Dem klassischen Kanon jener Zeit zufolge zeigt sich der Leib Christi in einem besonders hellen Hautton, das Barthaar ist schwarzbraun, die Lippen sind tief rot und das Lendentuch außen vergoldet, das Innenfutter hingegen versilbert.

In der herb kantigen Erscheinung des bärtigen Kopfes mit den tief sitzenden Augen, dem leicht geöffneten Mund und den betonten Wangenknochen könnte man meinen sein Leiden auch gegenwärtig zu spüren. Die betonte Ausarbeitung des Kinnbartes im Gegensatz zum deutlich weit hinten ansetzenden Haupthaares, könnte darauf deuten, dass ursprünglich eine Perückendrapierung mit einer naturalistischen Dornenkrone vorgesehen war. Die derzeit auf dem kopfsitzende Dornenkrone besteht jedoch aus einem Rutengeflecht jüngerer Zeit.

In seiner Gesamterscheinung zeigt der sterbende Christus einen zarten aber dennoch muskolösen Körper. Ein kräftig ausgebildeter Brustkorb verstärkt die Wirkung der eingezogenen schlanken Hüfte mit deutlichen Ansätzen der Leistenlinie über dem sehr tief sitzenden, schmalen und einfach kreuzweise verschlungenem Lendentuch. Die darüber im rechten Rippenflügel klaffende Seitenwunde zeigt nach unten leicht verlaufende Blutspuren. Die diagonal fliegenden Enden des Lendentuchs verstärken den Neigungsgrad des Christushauptes und suggerieren dem Betrachter in gewisser Weise ein Schweben der leidenden Figur.

Die Einordnung des Triumphkreuzes in die 2. Hälfe des 16. Jahrhunderts, könnte durchaus die charmante These zulassen, dass dieses Kunstwerk noch zu Lebzeiten Julius Pflugs entstand. Ursprünglich war das Kreuz des leidenden Christus in der Pfarrkirche des Ortes Eythra südlich von Leipzig angebracht. Seit dem 14. Jahrhundert befand sich eben dieses Dorf Eythra im Besitz der Pflugschen Stammeslinie. Eythra blieb auch bis Mitte des 17. Jahrhundert als Stammsitz der Familie erhalten, bis dieser aufgrund von Überschuldungen versteigert wurde. Demnach wäre es durchaus denkbar, dass Julius Pflug selbst das Triumphkruzifix zu Lebzeiten als Altersstiftung an seinen Geburtsort und familären Stammessitz stiftete. Eine Datierung des Kreuzes nach seinem Tod könnte darauf deuten, dass es sich um eine Familienstiftung handelte, welche von Verwandten des Bischofs getätigt wurden.

Wer sich für weitere außergewöhnliche Exponate der Ausstellung interessiert, der sollte die nächste Sonderführung unter dem Titel „Das Größte, Kleinste, Wertvollste – besondere Exponate“ am 11.08.2017, um 17 Uhr keinesfalls verpassen. Die einstündige Führung kostet 11,00 Euro pro Person und inkludiert automatisch auch den Eintrittspreis zur Ausstellung. Wir empfehlen Ihnen daher bereits vor 17:00 Uhr die Räumlichkeiten der Ausstellung zu besuchen und das bis dahin gesehene anhand der Sonderführung zu vertiefen.

07.08. - 13.08.2017: Bildniskopf Johann Friedrich des Großmütigen

Museum Schloss Moritzburg | Raum 5 | Pflug oder Amsdorf?

Mitteldeutschland, nach 1547 | Terrakotta, polychrom gefasst | Höhe: 32 cm, Breite: 32 cm | Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), MOIII00225 | Copyright: Vereinigte Domstifter, Foto: Jürg Steiner

Ein sogenannter „Gaffkopf“ von Johann Friedrich dem Großmütigen begegnet dem Besucher im Raum 5 der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“. Die Bezeichnung „Gaffkopf“ steht für eine charakteristische Art von Bauplastiken an Renaissanceportalen. Eine figürliche Darstellung von Köpfen schaut oder vielmehr „gafft“ hierbei von der Fassade nach unten „auf die Vorbeigehenden“. Das Gaffen wird gern/oft durch übergroße Augen und leicht geöffnete Münder verdeutlicht.

 

Der Kopf des Kurfürsten von Sachsen, Johann Friedrich, stellt eines der wenigen mitteldeutschen Zeugnisse eines keramischen Porträts aus der Renaissance dar (Entstehung nach 1547) und gehörte vermutlich gemeinsam mit einem entsprechenden Pendant zu einem Portal oder in den Zwickel einer Arkade.

In dem frei modellierten Bildnis, welches wahrscheinlich auf ein Porträt von Lucas Cranach zurückgeht, handelt es sich um ein naturnahes Porträt, das den ehemaligen Kurfürsten mit einem fein ausgearbeiteten Bart sowie faltigen und markanten Gesichtszügen zeigt. Ebenso qualitätsvoll ist die zeitgenössische Gewandung ausgebildet. Deutlich ist der Pelzbesatz des Mantels zu erkennen, darunter trägt Johann Friedrich einen Wams und fein gefaltete Krausenkragen. Unterhalb seines Auges ist deutlich eine Verwundung erkennbar, die den Kämpfen im Schmalkaldischen Krieg entstammt und ihn lebhaft als protestantischen Märtyrer „auszeichnet“.

Doch was hat ein Mann, der den Beinamen „der Großmütige“ trägt, in einem Ausstellungsraum mit dem Titel „Pflug oder Amsdorf?“ zu suchen? Die Frage ist ganz einfach zu beantworten, denn er war der Verantwortliche für den europaweiten Skandal des Bistums Naumburg-Zeitz, welches fünf Jahre lange sowohl einen katholischen als auch einen evangelischen Bischof hatte.

Der am 30. Juni 1503 in Torgau geborene Kurfürst Johann Friedrich setzte sich bereits früh für die Reformation ein und war häufig in Verhandlungen mit dem Kaiser und den Reichsständen auf evangelischer Seite tätig. Eben wegen dieser Großmütigkeit, die er Martin Luther immer wieder entgegenbrachte, erhielt er seinen Beinamen. Dem religiösen Eifer und der Hartnäckigkeit, mit der Johann Friedrich die Reformation durchzusetzen versuchte, stand jedoch ein hohes Maß an politischer Schwäche gegenüber. Johann Friedrich ist als starrsinnig überliefert. Er zeigte sich wenig kompromissbereit und diplomatisch ungeschickt.

Die protestantischen Reichsfürsten, die sich im Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossen hatten, bestimmten Johann Friedrich zu ihrem Anführer. Damit standen die Chancen auf eine friedliche Einigung der streitenden Parteien schlecht. Eine Reihe von aufsehenerregenden Provokationen folgte, zu denen auch die widerrechtliche Einsetzung des protestantischen Gegenbischofs Nikolaus von Amsdorf durch Martin Luther im Naumburger Dom gehörte. Mit der erzwungenen Einsetzung verstieß der Kurfürst gegen bestehendes Reichs- und Kirchenrecht, denn das Domkapitel Naumburg hatte bereits Julius Pflug rechtmäßig zum katholischen Bischof des Bistums Naumburg-Zeitz gewählt. Kaiser Karl der V. sah sich deshalb veranlasst, 1546 die Reichsacht über Johann Friedrich zu verhängen – eine Strafe, die zuletzt Martin Luther ereilt hatte.

Wenn Sie noch mehr über die Begebenheiten des Bischofsstreits um das Bistum Naumburg-Zeitz und deren Protagonisten, allen voran den weltweit ersten evangelischen Bischof Nikolaus von Amsdorf erfahren möchten, dann sollten Sie den nächsten Vortrag im Rahmen der Ausstellung nicht verpassen. Der Vortrag unter dem Titel „Nikolaus von Amsdorf (1483-1565). Reformator – evangelischer Bischof – Kontroverstheologe“ findet am 17. August ab 19:00 Uhr im Festsaal des Museum Schloss Moritzburg statt. Präsentiert wird der Vortrag von Prof. Dr. Sames, der Mitglied des Wissenschaftliches Beirates zur Pflug-Ausstellung ist.

14.08. - 20.08.2017: Kühlgefäß aus Compiégne

Museum Schloss Moritzburg | Raum 5 | Pflug oder Amsdorf?

Werkstatt von Orazio Fontana, um 1465 – 1571), Italien, Urbino | Fayence, Zinn | Restaurierung: Béatrice Beillard, 2000 (fehlende Stücke und Fuß ergänzt) | Höhe: 52 cm, Breite: 48,5 cm, Tiefe: 22,5 | Musée  Antoine Vivenel, Compiègne (France), Provenienz: Schenkung 1839/1847 | Inschriften: 1. Unten in einer Kartusche: IMP.CAROLI.V.ALBIS/APVD.MULBVGVM Felicissimo//NVMD.E.TRAIECTIO.; 2. In der Nähe der Allegorie des Flusses: ALBIS.; 3. Auf einer Fahne: YOPNOCA

Mit der widerrechtlichen Einsetzung des protestantischen Bischofs Nikolaus von Amsdorf im Bistum Naumburg-Zeitz – wir berichteten in der Samstag-Ausgabe vom 12. August 2017 – kam es zu einer weiteren Verschärfung der religiösen Konflikte. Diese eskalierten schlussendlich in den Jahren 1546/47 im Schmalkaldischen Krieg, der gleichzeitig der erste Relionskrieg auf deutschem Boden war. Jene Schlacht, die bei Mühlberg ihren Höhepunkt fand, wurde in zahlreichen Schriften und Kunstwerken wiedergegeben.

Eines dieser Kunstwerke wird in der Sonderausstellung gezeigt. Es handelt sich um eine riesigen Schale, die als Kühlgefäß für Weine gilt. Die bereits restaurierte Schale hat eine Höhe von 52 cm, eine Breite von 48,5 cm und eine Tiefe von 22,5 cm. Das um 1570 entstandene Kühlgefäß ist in der Technik der Majolika aufwendig und farbenfroh verziert. Die Darstellungen auf dem Gefäß zeigen genau diese Schlacht bei Mühlberg, welche 1547 zwischen Kaiser Karl V. und dem protestantischem Schmalkaldischen Bund stattfand.

Doch wie kam es zu jener Auseinandersetzung zwischen dem Kaiser und den protestantischen Reichsfürsten? Kaiser Karl V. war es ein zentrales Anliegen, die Religionseinheit im Reich wiederherzustellen, aber auch seine kaiserliche Zentralgewalt zu sichern, die mehr und mehr durch die erstarkte Macht der Reichsstände untergraben wurde. Die protestantischen Fürsten hingegen versuchten ihre neue Religionslehre zu verteidigen und wenn nötig mit Waffengewalt zu untermauern. Um sich einem möglichen militärischen Angriff des Kaisers entgegenstellen zu können, schlossen sich protestantische Fürsten und Städte in einem Verteidigungsbündnis – dem Schmalkaldischen Bund – zusammen. Anführer dieses Bündnisses waren Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen.

Jedoch war es Kaiser Karl V. nicht sofort möglich, gegen den Zusammenschluss und die Provokationen der protestantischen Fürsten vorzugehen, da er mit Auseinandersetzungen in Frankreich und zudem mit den Osmanen zu kämpfen hatte. Erst als er jene außenpolitischen Bedrohungen im Griff hatte, konnte er sich einer Lösung der Religionsfrage widmen. Kaiser Karl V. versuchte dies erst einmal in Form eines Konzils und durch eine Reihe von Religionsgesprächen. Diese scheiterten jedoch immer wieder an der kompromisslosen Haltung beider Parteien. Somit begannen im Sommer 1546 die Feldzüge zwischen dem Heer Kaiser Karls V. und den Soldaten der protestantischen Fürsten. Ihren Höhepunkt fanden die kriegerischen Auseinandersetzungen im Frühjahr 1547 bei Mühlberg an der Elbe. Von diesen finalen Kämpfen berichtet uns die Kühlschale in einer herausragenden Farbenvielfalt.

Der Kampf wird in mehreren Episoden genau beschrieben. Deutlich zu erkennen ist, dass sich die beiden Armeen auf den verschiedenen Elbseiten gegenüberstehen. Die protestantische Armee versucht, die Stadt Mühlberg auf der linken Seite zu verteidigen. In der Mitte sind Soldaten auf Booten zu erkennen.  Sie werden von ihren Feinden verbrannt. Am oberen Bildrand überquert die Kavallerie Karls V. die Elbe. Der Kaiser gelangt zuerst an das feindliche Ufer und wird dabei von einem Kreuz geleitet. Es handelt sich hier keineswegs um eine rein historische Darstellung. Fiktive Elemente mischen sich darunter, wie z.B. die Personifikation der Elbe auf dem linken unteren Schalenrand, was der Darstellung eine mythologischen Perspektive hinzufügt. Die Sonne am mittleren oberen Schalenrand bezieht sich womöglich auf die Erzählung des Historikers Avila, der von Wunderzeichen während der Schlacht berichtete. Die rechts neben der Sonne befindlichen Personifizierungen von Religion und Ruhm verkünden den erfolgreichen Ausgang der Schlacht.

Am 24. April 1547 kam es zu jenem finalen Kampf an der Elbe, den Kaiser Karl V. für sich verbuchen konnte. Die wichtigsten Anführer der protestantischen Seite wurden festgenommen und entweder zum Tode verurteilt, oder ihnen und ihren nachfolgenden Generationen wurde die Kurwürde entzogen. Darüberhinaus schien mit Kaiser Karls Sieg – kaum ein Jahr nach Luthers Tod – die reformatorische Bewegung am Ende zu sein. Der Sieg ermöglichte beispielsweise, dass der zu unrechtmäßig eingesetzte evangelische Bischof Nikolaus von Amsdorf sein Amt hergeben und es dem Katholiken Julius Pflug, der ja bereits 1542 rechtmäßig vom Domkapitel Naumburg gewählt wurde, überlassen musste.

Was Julius Pflug während seiner Amtszeit als Bischof alles unternahm, um die Konfessionen doch noch zur Einigung zu bringen, erfahren Sie in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“.

21.08. - 27.08.2017: Zwinge des Bischofsstabes von Bischof Julius Pflug

Museum Schloss Moritzburg | Raum 6 | Julius Pflug als Bischof und Landesherr

Deutsch, (Sachsen?) | 1542/47 – 1564 | silber, vergoldet, gerieben, graviert | Höhe: 2,3 cm, Durchmesser am oberen Rand: 3,4 cm, Durchmesser am unteren Rand: 3 cm, innerer Durchmesser 2,8 cm | in der Zwinge noch ein Rest des hölzernen Bischofsstabes enthalten: Höhe max. 6 cm, Durchmesser 2,5 cm, innen hohl für eine Steckverbindung (Durchmesser 1,2 cm); Leihgeber | Leihgeber: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt Halle – Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) | Foto: A. Hörentrup

 

Die Zwinge des Bischofsstabes gehört zu den besonderen Exponaten der Ausstellung. Zum einen ist es mit einer Höhe von 2,3 cm und einem inneren Durchmesser von 2,8 cm das mit Abstand kleinste Exponat der Ausstellung. Zum anderen enthält die Zwinge im Inneren noch einen Rest des hölzernen Bischofsstabes, wodurch dieses kleine Kunstwerk als Teil eines solchen Stabes identifiziert werden konnte. Die Verwendung von Holz für Krümme und Schaft war vor allem dann üblich, wenn der Bischofsstab als Grabbeigabe genutzt wurde. Die mittelalterlichen Bischofsstäbe bestanden aus der Krümme (oben) und dem unten spitz auslaufenden Stab. Am unteren Teil der Krümme war der Stab für gewöhnlich durch eine Zwinge, wie man sie in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ besichtigen kann, miteinander verbunden. Neben dem praktischen Nutzen besaß die Zwinge auch einen symbolischen Charakter. Im Fall der Bischofszwinge des Julius Pflug sind beispielsweise verschiedene Gravuren zu erkennen. Von der Nahtstelle nach rechts aus gesehen, ist das Wappen des Bistiums Naumburg-Zeitz (Schlüssel und Schwert gekreuzt) zu erkennen, welches von beiden Seiten von mehrfach verschlungenem Rankenwerk und Blattwerk umrahmt wird. Daneben folgt das Familienwappen der Pflugs mit diagonal angeordnet je einer umgestürzten Pflugschar und einem grünenden Zweig. Links davon befindet sich ein „I“ und rechts davon „EN“. Diese Initialien stehen für Iulius, episcopus Numburgensis, was so viel heißt wie: „Julius, Bischof von Naumburg“.

Die Zwinge symbolisiert das bischöfliche Amt, welches Julius Pflug nach dem Schmalkaldischen Krieg (wir berichteten am …….????) im Jahre 1547 antrat. Und mit dem ein neuer Abschnitt im Leben des Gelehrten begann. Von nun an agierte er als Landesherr und Bischof über eine bereits weitgehend evangelisch geprägte Bevölkerung.

Doch was waren die Aufgaben eines Bischofs in jener turbulenten Zeit? Mit was sah sich Julius Pflug als katholischer Bischof konfrontiert? Ein Bischof  (altgrichischen episkopos: „Aufseher“, „Hüter“ oder „Beschützer“) ist in vielen Kirchen der Inhaber eines Amtes, der die geistliche und administrative Leitung eines bestimmten Gebietes (Diözese) inne hat. Von ihm geht die gesamte Lehr- und Rechtsvollmacht in seinem Bistum aus. Er ist allein dem Papst verpflichtet. Die Aufgaben des Bischofs können in drei Worten benannt werden: lehren, heiligen, leiten. Er muss also zum einen das Wort Gottes verkünden, es auslegen und verbindlich lehren. Weiterhin ist der Bischof verantwortlich, die sakramente zu spenden und die Gläubigen zu einem Leben gemäß der liturgischen Elemente anzuleiten. Schließlich steht es dem Bischof zu, sein Bistum, auch im juristischen Sinne, zu leiten und nach außen hin zu präsentieren. Kraft seines Hirtenamtes, wofür symbolisch der Bischofsstab steht, soll er die gesamte Seelsorgearbeit sowie die Hilfe gegenüber Armen, Verfolgten und Leidenden der Diözese übernehmen. Somit stellt der Bischofsstab, neben dem Bischofsring, der Mitra und dem Brustkreuz, eines der wichtigsten Insignien eines Bischofs dar. Er überträgt ihm quasi die Schutzfunktion über seine „Schäfchen“.

Auch Julius Pflug war sich dieser Aufgabe stets bewusst. Nach seinem Amtsantritt zum Bischof führte er den Naumburger Dom und die Zeitzer Stiftskirche erst einmal zum katholischen Ritus zurück, dennoch beließ er die Kirchenvertreter, welche mittlerweile fast vollständig der reformatorischen Lehre angehörten., weitgehend in ihren Ämtern. Durch Predigten und Publikationen sowie Befragungen wollte er Bildung und sittlichen Stand im Hochstift fördern. Der Erlass verschiedener Ordnungen und Gesetze, wie beispielsweise der Polizei-, der Kleider- und Hochzeits-, sowie der Handwerksordnung, sollte die durch den Krieg unsichere Situation beruhigen, aber auch Handel und Gewerbe weiter entwicklen. Seine jedoch größte Aufgabe bestand für ihn in dem Versuch, die beiden Konfessionen wieder zu vereinen bzw. Kompromisse zu finden, mit denen beide Seiten leben konnten, zu finden. Daher avancierte er zu einem der wichtigsten religionspolitischen Berater am kaiserlichen Hof und verdient aus diesem Grunde zurecht seine heutige Bezeichnung als DER Vordenker der ÖKUMENE!

28.08. - 03.09.2017: Die Aufzeichnungen des Bischofs Pflug zum Trienter Konzil

Museum Schloss Moritzburg | Raum 2 | Julius Pflug (1499 – 1564). Ein Leben in Zeiten des Umbruchs

Trient, 1551/52 | Papier | Höhe: 32 cm, Breite: 22,5 cm | Stiftsbibliothek Zeitz, cat.pag.34 no 140 | Edition: Konzilstagebuch

Der Konzil von Trient sollte ein weitreichendes Ereignis für die Entwicklung des katholischen Glaubens werden. Das 1536 von Papst Paul III. einberufene, aber erst 1545 eröffnete Trienter Konzil sollte sich mit 3 Sitzungsperioden in insgesamt 25 Zusammenkünften über 18 Jahre hinweg erstrecken. Drei aufeinanderfolgende Päpste schoben die Versammlungen immer wieder neu an, bis es zur Unterzeichnung und Bestätigung aller Dokumente im Jahr 1564 durch Papst Pius IV. kam und damit der Weg für eine Weiterentwicklung des katholischen Glaubens geebnet war. In den folgenden Zeiträumen fanden die Tagungsperioden statt: 1. Periode 1545 bis 1547, 2. Periode 1551 bis 1552 und die 3. Tagungsperiode von 1562-63.

Julius Pflug nahm 1551 bis 1552 an der zweiten Konzilsperiode teil. Zeugnis hiervon ist sein Konzilstagebuch mit der Überschrift „Acta in synodo hac Tridentina anno Domini 1551 me praesente“ (Was auf dieser Trienter Synode im Jahre des Herrn 1551 in meiner Gegenwart verhandelt wurde), das in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen“ im Original zu bestaunen ist.

Uns begegnet hier jedoch weniger ein Tagebuch, als vielmehr eine Sammlung von Notizen, die während Pflugs Teilnahme an den Verhandlungen vom 20.11.1551 bis zum 13.01.1552 entstanden. Mitschriften führte er zum einen über die Versammlungen der nicht stimmberechtigten Theologen, die über die vom Konzil zu entscheidenenden Themen diskutierten und den dabei anwesenden Konzilsvätern, die, wie Julius Pflug selbst, oft keine theologische Ausbildung hatten, „Nachhilfe“ gaben. Zum anderen skizzierte er in seinem Tagebuch aber auch die Treffen mit den stimmberechtigten Konzilsvätern, zu denen Pflug als Bischof des Bistums Naumburg-Zeitz ebenfalls gehörte.

Pflugs Mitschriften zufolge wurde bei jenen Verhandlungen hauptsächlich über die von den Reformatoren umstrittene Lehre von der Heiligen Messe als Opfer diskutiert. Seine teils sehr schwer zu lesende Handschrift in dem Dokument zeugt davon, dass er wohl teils flüchtig während eines Vortrags Notizen vornahm, teils aber auch im Anschluss, wodurch die Schrift lesbarer wurde. Das Kuriose ist, dass seine Mitschriften am 13. Januar 1552 abrupt endeten, jedoch belegt ist, dass er Trient erst am 25. März 1552 verließ. Was in den über zwei Monaten passierte, in denen keine weiteren „Tagebucheinträge“ Pflugs vorhanden waren, ist unklar. Es ist umso bedauerlicher, da Pflug selbst an einem Dekret zur Messopferlehre innerhalb des Trienter Konzils mitarbeitete, dieses jedoch erst in der 3. Tagungsperiode (1562-1563) fertiggestellt und verabschiedet wurde. Hieran konnte Pflug jedoch bereits aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen und somit auf die Fertigstellung nicht mehr einwirken.

Warum jedoch nahm Julius Pflug nicht bereits an der ersten Verhandlungsperiode eines solch wichtigen Konzils, der hätte bahnbrechend für die katholische Reformierung sein können, teil? An der ersten Trienter Tagungsperiode von 1545 bis 1547 nahmen rund 100 stimmberechtigte Prälaten (Bischöfe, Äbte oder Kardinäle) und genauso viele Theologen aus allen katholisch gebliebenen Ländern Europas Teil (außer Schweiz, Polen und Ungarn). Die Mehrzahl der Teilnehmer stammte aus Italien. Deutsche Bischöfe hingegen waren nicht anwesend, was bemerkenswert ist, da von hier ja der Ausgangpunkt der reformatorischen Bewegung kam. Möglicherweise lag der Grund hierfür in den kriegerischen Auseinandersetzungen des Schmalkaldischen Krieges (1542-1547), die sowohl protestantische als auch katholische Kräfte forderten. Pflug war zudem zu jener Zeit noch gar kein Bischof, sondern musste eben den Ausgang des Krieges abwarten, bevor er 1547 zum Bischof und Landesherr des Bistums Naumburg-Zeitz erhoben wurde. Erst seit diesem Zeitpunkt war Julius Pflug berechtigt am Konzil teilzunehmen und hatte zudem direkten Einfluss durch seine Stimmberechtigung.

Welchen Verlauf der Trienter Konzil in seiner dritten Versammlungsperiode nahm und in welchen Punkten die Katholiken mit ihrem Reformversuch auf die Grundpositionen der Protestanten eingingen oder an welchen katholischen Standpunkten sie festhielten, erfahren Sie noch bis zum 01.11.2017 in der Ausstellung: „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation.“

04.09. - 11.09.2017: Das Epitaph Pflugs im Zeitzer Dom

Bildhauer: Matthes Steiner (ehemals signiert MS), 1571/72 vollendet | hellgrauer Sandstein, mit Spuren alter Fassung, Relief und Vollplastik | H.: 3,04 m, B.: 1,30 m | Ort: Dom St. Peter und Paul in Zeitz, Südwand des Ostchores

Die Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ kann grob in zwei Teile untergliedert werden. Der erste Teil der Sonderschau, welcher sich in den historischen Räumen des Museums Schloss Moritzburg befindet, befasst sich eindringlich mit der Lebenszeit des Zeitzer Bischofs und den Herausforderungen, denen er sich gegenüber sah. Der zweite Teil, der mit den Räumlichkeiten des Doms St. Peter und Paul beginnt, konzentriert sich wiederum verstärkt auf die Zeit nach Julius Pflugs Tod.

Der Tod des Bischofs Pflug stellt in diesem Zusammenhang eine besondere Zäsur dar. Zum einen, weil er der letzte Bischof des Bistums Naumburg-Zeitz war und zum anderen, weil er der Stadt Zeitz mit seinem Testament ein historisches Erbe von unschätzbarem Wert hinterließ.

Die letzten Lebensjahre Pflugs gestalteten sich angesichts der Schwierigkeiten in seinem Bestreben einer Einigung zwischen den Konfessionen als sehr zäh und langwierig. In den fünzehnhuntertfünfziger Jahren verschlechterte sich zudem sein Gesundheitszustand zunehmend, weshalb er sich seit 1559 ernstlich bemühte, einen Koadjutor (kath. Bischof, der einem anderen Bischof als Beistand zur Seite stand) zu finden, der zudem Anrecht auf eine Nachfolge haben könnte. Im Jahr 1563 verfasste er sein Testament wohlwissend, dass er nicht allzu ferner Zukunft „die Schuld der Natur bezahlen und schließlich sterben muss“. In dem Testament äußerte er beispielsweise den Wunsch, nicht wie üblich im Naumburger Dom, sondern im Zeitzer Dom beigesetzt zu werden.

Nach einer schweren Erkrankung im August des Jahres 1564  starb Julius Pflug am 3. September desselben Jahres. Nach dessen Tod im für diese Zeit recht hohen Alter von 65 Jahren begann die Ausführung mehrerer Denkmäler für den Verstorbenen Julius Pflug in der Zeitzer Domkirche. Das Domkapitel hatte seinem Wunsch, als erster Bischof des Bistums Naumburg-Zeitz im Zeitzer Dom beigesetzt zu werden, zugestimmt.

Eines dieser Ehrungen für den Bischof war ein Epitaph (altgriechisch: zum Grab gehörend). Ein Epitaph ist ein Grabdenkmal für einen Toten, das an einer Kirchenwand oder einem Pfeiler angebracht ist. Zumeist sind diese Andachtsbilder der Verstorbenen künstlerisch aufwendig gearbeitet und enthielten entsprechende Inschriften, die den Gedenkbildern Namen und Personalisierung gaben. Sie dienten jedoch nicht grundlegend als Grabplatte und befanden sich somit nicht zwangsläufig am Bestattungsort, weil Epitaphe vielmehr als Ehrung und Kirchenschmuck zu verstehen waren.

Bischof Julius Pflugs Epitaph besteht aus einer in die Wand verankerten Rahmenarchitektur und einer im Nachgang eingesetzten Steinplatte mit dem Reliefbildnis des Bischofs. Das aus hellgrauem Sandstein gefertigte Relief befindet sich an der Nordwand des Chores, rechter Hand des Eingangs zur Sakristei. Die Mitte des Denkmals nimmt das ganzfigürige Hochreliefbildnis des Bischofs in Pontifikalkleidung und mit den typisch bischöflichen Insignien Mitra und Krummstab ein. In der linken Hand hält er ein geöffnetes Buch. Zu seinen Füßen ist deutlich das vierteilige Wappen Julius Pflugs zu erkennen, welches  4 das Stiftswappen und das Familienwappen der Pflugs zeigt. Den Rand der Steinplatte umläuft eine lateinische Inschrift, welche Todestag und Namen des Verstorbenen mit einem Segenswunsch verbinden.

Wie auch andere Grabdenkmäler dieser Jahre war das Epitaph Pflugs ursprünglich farbig gefasst. An einigen Stellen ist dies anhand von Farbresten zu erkennen. Zusätzlich war dem Epitaph eine Inschriftenplatte beigegeben, die wesentliche Tugenden, Verdienste, Ämter und Lebensstationen des „Fürsten und Herrn, Herrn Julius“ nennt. Leider ist uns diese Platte nicht bis heute erhalten geblieben.

Wie bei Epitaphen vorrangig üblich, war es auch hier so, dass Julius Pflug nicht hinter dem eindrucksvollen Reliefbildnis beigesetzt wurde. Lange war es ein Rätsel, wo genau die Gebeine des Bischofs begraben wurden. Bei bauhistorischen Untersuchungen vor einigen Jahren entdeckten Archäologen ein gemauertes Grab, in dem man Teile eines Bischofsstabes und eine Bronzemanchette mit den Initialen JvP fand. An ebendieser Stelle im Aufgang zum Altarraum des Ostchores ist heute das Bronzemedaillon der Grabplatte des Bischofs in den Fußboden eingelassen und bezeugt, dass sich seine eigentliche Grablege an diesem Platz befindet.

Schauen Sie auf Ihrem Weg durch die Ausstellung also auch unbedingt im Dom St. Peter und Paul vorbei! Denn neben Julius Pflug finden sich hier noch weitere wichtige Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer besonderen Geschichte eine Ehrung in Form eines Epitaphs erhalten haben.

11.09. - 17.09.2017: Die kirchlichen Stände

Museum Schloss Moritzburg | Raum 7

Niedersachsen (Hildesheim?), um 1510  Lindenholz, originale Farbfassung | Höhe: 59,9 cm, Breite 60 cm, Tiefe 25 cm | Leihgabe vom: Suermondt-Ludwig Museum Aachen, SK 373

Im mit Abstand größten Raum der Ausstellung, dem sogenannten Dialograum, ist den Bemühungen um die Kircheneinheit gewidmet. Insbesondere anhand des apostolischen Glaubensbekenntnisses, der zehn Gebote sowie der Sakramente werden die Positionen der jeweiligen Konfessionen gegenübergestellt. Für Besucher, die sich bisher noch nicht eindringlich mit dem Thema Glauben auseinandergesetzt haben, haben die Ausstellungsgestalter hier versucht die Grundlagen beider Konfessionen anschaulich wiederzugeben.

Ein exemplarisches Exponat für das was Katholiken und Protestanten nach wie vor unwiderruflich trennt, ist die nach Niedersachsen lokalisierte Reliefgruppe „Vertreter der kirchlichen Stände“, die mit großer Wahrscheinlichkeit Teil eines Altars war. Die um das Jahr 1510 aus Lindenholz gefertigte Figurengruppe zeigt in sieben neben- und hintereinander sitzenden Figuren die kirchlichen Stände vom Papsttum bis zu den Mönchen. Angeführt werden die Geistlichen durch den Papst, der die Krone, einen Segensmantel und Pontifikalhandschuhe trägt. Er wird von einem Bischof hinter ihm und einem Kardinal neben ihm begleitet. Auch zwei Chorherren mit einer typischen Kopfbedeckung christlicher Geistlicher gehören zu dieser Gruppe. Den Schlusspunkt bilden zwei Mönche, von denen einer das alte Mönchtum repräsentiert. Ein zweiter mit einer kreisrunden kahl geschorenen Schädelstelle (Tonsur) und Sandalen steht für die Bettelorden.

Das ausgestellte Relief beschreibt in Grundzügen die strenge, von Weihegraden und kirchlichen Titeln abhängige Hierarchie der römischen Papstkirche, die durch den Einzug der Reformation 1517 grundlegend in Frage gestellt wurde. Die katholische Kirche kennt vier niedere und drei höhere Weihegrade für Geistliche. Zu den niederen Weihegraden gehören die Ostiariern (lateinisch: Türhüter, Pförtner oder Diener der Sakristei), die Lektoren (lateinisch: Vorleser), an dritter Stelle die Exorzisten und zu guter Letzt die Akolythen (griechisch: Begleiter – bezeichnen einen Helfer bei der Eucharistiefeier). Zu den höheren Weihegraden zählt der Diakon (griechisch. Diener – ursprünglich Helfer beim Abendmahl, heute Kleriker, der sich auf die Priesterweihe vorbereitet oder ein Mann, der liturgische Dienste versieht).

Des weiteren zählt hierzu der Priester. Der Begriff wir abgeleitet vom griechischen „Ältester“. Die Weihe eines Priesters wird vom Papst oder einem Bischof unter Handauflegung mit der der lateinischen Formel „Nimm hin den heiligen Geist“ vollzogen und verleiht dem Geweihten die unwiderrufliche Beschaffenheit, die ihm das Recht zur Darbringung des Messopfers gibt. Der katholische Priester betreut die Gemeinde theologisch und seelsorgerisch und übernimmt zudem diverse Verwaltungsaufgaben.

Zum nächst höheren Weihegrad gehört der Bischof, abgeleitet vom griechischen „Vorsteher, Aufseher oder Wächter“, damit ist er der Mann, der die geistliche und oft auch administrative Leitung eines bestimmten Gebietes inne hat. Diese Gesamtheit der Angehörigen des geistlichen Standes werden unter dem Begriff „Klerus“ zusammengefasst.

Im Gegensatz zum katholischen Glauben bzw. der katholischen Ständeordnung beruft man sich innerhalb der evangelischen Kirche auf das „Priestertum aller Gläubigen“. Das heißt grundsätzlich darf jeder in der Gemeinde Gottes Wort verkündigen. In der Praxis ist dies jedoch meist den Pfarrern vorbehalten. Pfarrer und Pfarrerinnen – der Beruf steht im evangelischen Glauben beiden Geschlechtern offen – sind als theologische Fachleute mit der Verkündigung, der Verwaltung der Sakramente und der Seelsorge beauftragt. Im Gegensatz zum katholischen Glauben werden sie jedoch nicht geweiht, sondern durch eine Ordination in Ihr Amt eingesegnet.

Die evangelische Kirche hat zudem keine zentrale Führungsperson, wie der Papst als weltweites Oberhaupt des katholischen Glaubens gilt. Für Protestanten ist es unvorstellbar, dass Bischöfe oder gar der Papst qualitativ oder moralisch bessere Menschen sind und sich somit über alle anderen Gläubigen stellen dürfen.

Zusammenfassend verdeutlicht die Reliefgruppe der kirchlichen Stände, eine strikte Traditionskette innerhalb des katholischen Glaubens, welches im „krassen“ Gegensatz zu den Wertvorstellungen Luthers steht, nämlich in der Wiederentdeckung der zentralen Botschaft von der Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade, die allein der Glaube empfängt.

In Worten drückt er dies wie folgt aus:

„Alle Christen sind wahrhaft geistlichen Standes, und ist unter ihnen kein Unterschied dann des Amts halben allein. […] Demnach so werden wir allesamt durch die Taufe zu Priestern geweiht. […] Was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, dass es schon Priester, Bischof und Papst geweiht sei, obwohl es nicht jedem ziemt, dieses Amt auch auszuüben.

18.09. - 24.09.2017: Prachthandschrift aus dem Kloster Bosau (Posa)

Museum Schloss Moritzburg | Raum 6 | Julius Pflug als Bischof und Landesherr

Augustinus, De civitate Dei (lat. Vom Gottesstaat) | Erkenbert von Bosau, Bosau, zwischen 1168 und 1180 | Pergament, Handschrift| H. 36 cm, B. 24 cm | Schulpforte, Archiv und Bibliothek der Landesschule Pforta, Ms. A 10

Die Pergamenthandschrift von Augustinus‘ De civitate Dei (lat. Vom Gottesstaat) entstand zwischen 1168 und 1180 in der Schreibstube des Klosters Bosau bei Zeitz. Heute ist das Kloster unter dem Namen Posa bekannt. Das 1114 gegründete Benediktinerkloster gehörte im Mittelalter zu den Zentren der Buchmalerei in Mitteldeutschland. Es besaß eine überaus reiche Bibliothek.

Ab 1551 stand Kloster Bosau unter der Verwaltung von Bischof Julius Pflug. Nach Pflugs Tod wurde das Kloster 1565 aufgelöst und die Bosauer Bibliothek gelangte nach kurzem Zwischenstopp im Zeitzer Schloss 1573 schließlich nach Schulpforte. Die im Jahr 1543 neu gegründete Landesschule hatte vom Kurfürsten August die Einrichtung einer Bibliothek bewilligt bekommen. Da der noch vorhandene Buchbestand aus dem Zisterzienserkloster Pforte als nutzlos eingestuft wurde, wies der Kurfürst die Domkapitel zu Naumburg und Merseburg an, unter anderem die Bosauer Bibliothek an die Landesschule Pforta abzugeben.

Unter den Beständen, die nach Schulpforte kamen, befand sich auch die Augustinus-Handschrift. Sie stammt von der Hand des Schreibers Erkenbert, wie dessen eigenhändiger Eintrag in der Schrift beweist. Ob er jedoch auch der Buchmaler gewesen ist, bleibt offen. Erkenberts Tätigkeit ist zwischen 1168 und 1185 urkundlich belegt und stellt einen Höhepunkt der Bosauer Schreibkunst dar. Die sehr sorgfältig und gleichmäßig geschriebene Handschrift ist nicht nur wegen ihrer eleganten Silhouetten- und Rankeninitialen eine herausragende Arbeit. Besonders bekannt ist sie für ihre zwei ganzseitigen, einzigartigen Miniaturen. Dabei zeigt eine den Gottesstaat und eine den weltlichen Staat in jeweils sechs Zeitaltern. Mit ihrer bildlichen Interpretation des Augustinus-Textes ist die Handschrift ein Zeugnis der hohen intellektuellen und künstlerischen Fähigkeiten der Schreiber und Buchmaler des Bosauer Klosters.
Dieses in der Fachliteratur als ein Hauptwerk der thüringisch-meißnischen Malerschule bezeichnete Stück gastiert nach 444 Jahren zum ersten Mal wieder in Zeitz und kann noch bis 1. November in der Sonderausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ besichtigt werden.

25.09. - 01.10.2017: Rosenkranz aus dem Diözesanmuseum Bamberg

Süddeutschland, 17. Jahrhundert, mit späteren Ergänzungen | Holz, Messing, Kordel | Länge: 59,5 cm | Diözesanmuseum Bamberg, ohne Inv.-Nr.

Die Reformation veränderte auch den Totenkult

Die Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ beleuchtet nicht nur den Lebensweg des Zeitzer Bischofs im Zusammenhang mit der Entwicklung der Reformation, sondern gewährt auch Einblicke in den Wandel liturgischer Rituale und Christusfrömmigkeit, welcher sich im Laufe des 16. Jahrhunderts vollzog. Hierfür haben die Ausstellungsgestalter ganz besondere Räumlichkeiten des Zeitzer Doms für den Besucher geöffnet. Zum einen das mit pflugzeitlichen Wandmalereien verzierte Christophorusgewölbe, welches mit noch nie in Ausstellungen gezeigten Objekten und sakralen Kunstwerken eine einzigartige Stimmung erzeugt. Zum anderen die Fürstenloge mit direktem Blick in den Dom.

Hier finden sich unter anderem kleinteilige Exponate aus dem Bereich der privaten Frömmigkeit, wie beispielsweise ein aus Süddeutschland stammender Rosenkranz, der im 17. Jahrhundert entstand und zu späteren Zeitpunkten ergänzt wurde. Der aus dem Diözesanmuseum Bamberg ausgeliehene Rosenkranz mit einer Länge von 59,5 cm, besteht aus einer Kordel auf der 59 Holzperlen in zweierlei Größen aufgezogen sind. 54 Perlen (immer aufeinander folgend zehn kleine Perlen und eine große) befinden sich innerhalb des am Ende miteinander verknoteten Kranzteils. Den „Ausgang“ des Kranzes bildet eine Erweiterung der Kordel, an der nochmals drei kleine Perlen von zwei großen Perlen umschlossen werden. Die Kette wird durch das sogenannte Credo-Kreuz abgeschlossen. Rosenkränze können durch individuell eingefügte Anhänger erweitert werden. Diese Personalisierung durch diverse Medaillen oder Wallfahrtserinnerungen spiegelt sich auch in dem hier gezeigten Exponat anhand einer französischen Marienmedaille von 1830 sowie einem Medaillon mit dem heiligen Aloysius und zwei weiteren Reliefanhängern wieder.

Ein Rosenkranz ist eine Zähl- oder Gebetskette, die für das Rosenkranzgebet verwendet wird. Gebetsketten gibt es in fast allen Religionen: die orthodoxe Gebetsschnur als Hilfe für das Jesusgebet, die muslimische Misbaha zum Lob Gottes und die buddhistische Mala zu den Lehren Buddhas. Der auch heute noch nach einer festen Gebetsform genutzte Rosenkranz, entwickelte sich erst Mitte des 13. Jahrhunderts im Katholizismus heraus. Einer Legende nach soll der heilige Dominikus, der Gründer des Predigerordens der Dominikaner, bei einer Marienerscheinung im Jahre 1208 die heutige Form des Rosenkranzes empfangen und anschließend in seinem Orden eingeführt haben. Maria habe ihm den Rosenkranz dabei als Waffe im Kampf gegen die antikirchliche Ketzerbewegung geschenkt. Eine umfängliche Verbreitung des Rosenkranzes in der katholischen Kirche fand aber erst nach dem Sieg der christlichen Flotte über die Türken bei Lepanto am 7. Oktober 1571 statt. Papst Pius V. ordnete für das Gelingen der Schlacht das Rosenkranzgebet als Hilfe an. Nach dem überraschenden Sieg über die Osmanen wurde der Erfolg dem Rosenkranz zugeschrieben und dementsprechend populär.

Heute kann der Rosenkranz als die am weitesten verbreitete katholische Andachtsform angesehen werden. Das Wort Rosenkranz stammt vom lateinischen Wort rosarium (übersetzt: Rosengarten) ab und symbolisiert in der christlichen Ikonographie Maria, die Mutter Jesu. Die deutsche Bezeichnung „Rosenkranz“ erhielt die Gebetskette im 15. Jahrhundert. Es wird angenommen, dass die Kette ursprünglich aus Rosenblüten bestand, die auf einer Schnur aneinander gereiht waren.

Doch inwiefern hilft nun die Aneinanderreihung von Holzkügelchen dabei, das Gebet richtig auszuführen? Das Prinzip ist relativ simpel: Die Anordnung sowie die Anzahl der unterschiedlichen großen Perlen sollen den Gläubigen dabei helfen, in der richtigen Reihenfolge und Anzahl zu beten. Indem man die Perlen nach und nach durch die Finger gleiten lässt, hat dies zusätzlich eine meditative Wirkung, wodurch man sich allein auf sich selbst, auf Gott und das Zwiegespräch mit ihm konzentrieren kann.

Das Rosenkranzgebet wird an der am Kranz befestigten Kette begonnen, in dem der Gläubige das Kreuz in seiner Hand hält und das Glaubensbekenntnis spricht. Für die auf das Kreuz folgende große Perle  wird ein „Ehre sei dem Vater“ und ein „Vater Unser“ gesprochen. Für die darauffolgenden drei kleinen Perlen wird jeweils ein „Ave Maria“ mit je drei eingefügten Bitten um christliche Tugenden gesprochen. Für die anschließende große Perle folgt wieder „Ehre sei dem Vater“ sowie ein „Vater Unser“.

Nun beginnt der Kranz, der sichtbar in fünf Zehnergruppen eingeteilt ist (sogenannte Gesätze), diese stehen für insgesamt 50 „Ave Maria“, die gebetet werden sollen. Jede der Zehnergruppen (Gesätz) wird eingeleitet mit dem „Vater unser“ (an der großen Perle) und abgeschlossen mit dem „Ehre sei dem Vater“ (vor der großen Perle). Je nach den Begebenheiten der Jesusgeschichte oder auch dem persönlichen Anliegen können dem „Ave Maria“ nach eigener Wahl sogenannte „Geheimnisse“ angehangen werden. Es gibt insgesamt vier Geheimnisse mit jeweils fünf Formulierungen, von denen je eine Formulierung entweder nach einem bestimmten Thema oder dem persönlichen Anliegen an jedes „Ave Maria“ angehangen wird. Die vier Geheimnisse lassen sich wie folgt den christlichen Themenbereichen zuordnen: 1. Die fünf freudenreichen Geheimnisse für die Geburt Jesu und seine Kindheit; 2. Die fünf schmerzhaften Geheimnisse für das Leiden und Sterben Jesu; 3. Die glorreichen Geheimnisse für die Auferstehung Jesu; 4. Die lichtreichen Geheimnisse für das öffentliche Wirken Jesu (diese wurden jedoch erst im Jahr 2002 durch Papst Johannes Paul II. nachgefügt).

Die Reformatoren zeigten sich allein schon angesichts der Zahl von 150 vorgeschriebenen Gebeten kritischer. Martin Luther selbst waren die Rosenkranzgebete zwar vertraut, da er diese als Mönch des Augustinerordens selbst oft genug betete, jedoch blieb auch er skeptisch, da die Rosenkranzgebete mit der Vielzahl der „Ave Maria`s“ so zentral auf die Person Marias ausgerichtet sind. Daher lehnten die Protestanten diese strikte Gebetsform der Katholiken ab, zum einen, um sich auch hier deutlich abzugrenzen, und zum anderen, weil sie inhaltlich selbst gestaltete Gebete den vorformulierten vorzogen.

Wenn Sie mehr über die Entwicklung religiöser Rituale, die Unterschiede katholische und evangelischer Messen sowie der Christusfrömmigkeit erfahren möchten, dann besuchen Sie noch bis zum 01. November DIE Ausstellung zur ÖKUMENE!

02.10. - 08.10.2017: Liturgisches Gewand – Die Kasel

Hedersleben (?), Mitte des 19. Jahrhunderts, gesticktes Kaselkreuz: um 1500 | Seidensamt, goldene Borten, Stickerei mit farbigen Seiden-, Gold- und Silberfäden | Höhe: 102 cm, Breite: 66 cm | Leihgabe: Hedersleben, katholische Gemeinde St. Gertrud, 123.5.009

Aufgrund der Vielfältigkeit und der hohen Qualität der Leihgaben, welche innerhalb der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ im Christophorusgewölbe gezeigt werden, möchten wir diese Woche ein weiteres Exponat aus dieser Räumlichkeit vorstellen. Mit dem Rosenkranz, der in der letzten Woche (29.09.2017) als eher kleinteiliges Objekt aus dem Bereich der privaten Frömmigkeit vorgestellt wurde, widmen wir uns folgend dem Gebrauch liturgischer Gewänder.

Die in der Ausstellung gezeigte Kasel, die aus der Gemeinde St. Gertrud in Hedersleben stammt, besteht aus einem dunkelroten Seidensamt. Das Rückenteil hat einen fast rechteckigen Schnitt, die Vorderseite ist bassgeigenförmig geschwungen. Die Kasel hat eine Höhe von 102 cm und eine maximale Breite von 66 cm. Goldene Borten umgeben die Saumkanten sowie das Kreuz auf der Rückseite und deuten einen Vertikalstab auf der Vorderseite an. Die Kasel ist mit einem stark kontrastierenden gelben Seidengewebe gefüttert. Materialen, Schnitt und Verarbeitung lassen erkennen, dass dieses Gewand im 19. Jahrhundert angefertigt wurde.

Anlass für die Anfertigung des Grundgewandes könnte die Neugründung der katholischen Pfarrei in Hedersleben 1841 und die Neuweihe der Kirche nach Einrichtung eines neuen Kirchenschiffs 1846 gewesen sein. Aber worin liegt nun die Verbindung einer Kasel aus dem 19. Jahrhundert mit der Reformation, die mehrere Jahrhunderte zuvor begann?

Hierfür muss man den Blick auf die figürlichen Darstellung richten, die auf der Kaselrückseite innerhalb eines Kreuzes wiedergegeben wird. Im Gegensatz zu dem Grundgewand stammt die kunstvolle und gut erhaltene Stickerei mit farbigen Gold-, Silber- und Seidenfäden aus der Zeit um 1500. Sie zierte ehemals ein etwas höheres und wohl auch breiteres spätgotisches Messgewand, welches womöglich zerschlissen war und daher im Verlauf des 19. Jahrhunderts neu angefertigt wurde. Der an das Kreuz geschlagene Christus ist von den Halbfiguren der Erzapostel Petrus und Paulus flankiert. Über dem Kreuz erscheint Gottvater mit der Weltkugel. Jedoch wurde der Kopf Gottvaters bei der Anfertigung des neuen Gewandes zerschnitten, darauf schließen lässt, dass das ursprüngliche Gewand größer war. Am Fuß des Kreuzes sind die schmerzvoll niedersinkende Maria und der Lieblingsjünger Johannes dargestellt. Drei weitere Heilige komplettieren die Darstellung.

Das frühe Christentum kannte zunächst keine liturgische Sonderkleidung für die sonntägliche Herrenmahlfeier. Es wurde jedoch erwartet, dass alle Teilnehmer möglichst festlich gekleidet waren. Mit der zunehmenden Verwendung christlicher Kleidung sowie dem vermehrten Abhalten von Gottesdiensten und der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion im Römischen Reich (380 n. Chr.) wurde die Liturgie zunehmend repräsentativer. Hierzu gehörte eben auch die Kostbarkeit der Gewänder, sodass sich Priester und Bischöfe zunehmend im Stil römischer Beamter kleideten. Bis zur Völkerwanderungszeit gab es jedoch keine scharfe Trennung der liturgischen Gewänder von der römischen Alltagskleidung (Tunika, Paenula).

In der Folgezeit wurden die Gewänder aus kostbaren Stoffen (Samt, Brokat oder Damast) und kostbaren Materialien wie Seide gefertigt und der Länge nach gekürzt. Gegenüber den spätantiken Gewändern mit einem reichen Faltenwurf, setzten sich im frühesten Mittelalter insbesondere die Dalmatik (Amtskleidung des Diakon und vom Bischof unter der Kasel getragen) und die Kasel, die einen eher steifen, aber durchweg feierlichen Eindruck vermitteln, durch.

Die Kasel im speziellen entstammt dem lateinischen Wort casula („Häuschen“) und ist seit seiner Einführung als liturgisches Mittel das Obergewand des Bischofs oder Priesters, welches beispielsweise bei der heiligen Messe getragen wird. Das zumeist runde oder oval geformte Tuch hat eine mittige Öffnung für den Kopf, an der häufig eine Kapuze befestigt ist. Vom Stil her könnte man die Kasel auch mit cape- oder ponchoartigen Kleidungsstücken, welche heutzutage ja schwer in Mode sind, vergleichen.

Bis heute ist die Kasel ein exklusives Kleidungsstück der Kleriker und hat sich über die Jahrhunderte immer wieder stilistisch weiterentwickelt. Der gekreuzigte Christus, wie er hier auf der Kasel zu sehen ist, war eine typische Darstellung auf spätmittelalterlichen Messgewändern, stellte sein Abbild doch einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Geschehen am Altar her. Denn jede Messfeier vergegenwärtigt den Opfertod Christi am Kreuz, dessen Leib zur Hostie (Opfergabe) in Form von Brot und Wein wird. Die Kreuzigungsszene auf der Kasel bildet zusammen mit der Reichung von Brot und Wein eine einheitliche liturgische Handlung/Erzählung.

Wenn Sie noch mehr über liturgische Kulthandlung des späten Mittelalters und dessen Entwicklungen nach dem Aufkommen der Reformation erfahren möchten, dann sollten Sie die 60-minutige Sonderführungen am 13. Obktober um 17.00 Uhr mit dem Titel „Was danach geschah – Veränderungen in Liturgie und Frömmigkeit“ nicht verpassen!

09.10. - 15.10.2017: Erasmus von Rotterdam – Portait von Hans Holbein d.J.

Hans Holbein der Jüngere (um 1497/1498 Augsburg–1543 London) | Öl auf Holz | H. 46,5cm, B. 34,5 cm | Benediktinerstift St. Paul (Österreich), Pinakothek/München | Literatur: Oelrich 1951 – Wolf 2004 – Müller/Kemperdick 2006 – Ausst.- Kat. St. Paul 2009, S. 300, Kat. Nr. 18.15 (Ruth Kaltenegger/Holger Kempkens)

Der Urheber des Portraits, Hans Holbein der Jüngere, gehört mit seinem Vater, Hans Holbein dem Älteren, zu den bedeutendsten Malern der Renaissance. Mit seinem Bruder, ebenfalls Maler, zog Hans Holbein der Jüngere 1515 nach Basel. Er traf dort auf den niederländischen Philologen und Philosoph Erasmus von Rotterdam, den er in den darauf folgenden Jahren mehrmals porträtieren durfte. 1532 verließ Holbein Basel in Richtung England. Auf Vermittlung von Erasmus machte er die Bekanntschaft mit dem Humanisten Thomas More, der ihm wiederum König Heinrich VIII. vorstellte und daraufhin zu dessen Hofmaler wurde.

Hans Holbein der Jüngere und Bischof Julius Pflug haben demzufolge eines gemeinsam: Ihr Lebensweg wurde wesentlich durch Erasmus von Rotterdam beeinflusst.

Als einer der geachtetsten Gelehrten seiner Zeit, man nannte ihn „den Fürsten der Humanisten“, wurde der Theologe Erasmus von Rotterdam durch seine kirchenkritische Haltung zum Vorreiter der Reformation. Seine Anregungen wurden von den Reformatoren,  u.a. von Luther und Melanchthon, aufgegriffen und weitergeführt, aber auch radikalisiert. Erasmus, der die Position Luthers kritisierte und gegenüber der radikalen Reformation auf Distanz ging, gab die Hoffnung auf eine Verständigung nicht auf und arbeitete darauf hin. Er korrespondierte mit fast allen Herrschern und Päpsten seiner Epoche und wurde allseits für seine offenen Worte und den brillanten Stil bewundert. Er selbst legte großen Wert darauf, sich durch Bildnisse in Erinnerung zu halten. Das wohl bekannteste dürfte jenes sein, das Holbein 1523 geschaffen hat, und welches sich heute in London in der National Gallery befindet.

In Erasmus von Rotterdam fand Julius Pflug einen bleibenden Bezugspunkt seiner Entwicklung und geistigen Orientierung. Aufgrund seiner intellektuellen Brillanz, seiner friedliebenden Einstellung und seiner zwischen den auseinander driftenden religiösen Parteien vermittelnden Haltung wurde er zum Vorbild für Pflug. Erasmus selbst wies Pflug durch die Widmung seiner Schrift „Liber de sarcienda ecclesie concordia“ (lat. „Buch über die Wiederherstellung der kirchlichen Eintracht“)  den Weg seiner Lebensbestimmung: alles zu tun, um die Einheit der Kirche in Christus zu bewahren.

Pflug war die Reformbedürftigkeit der Kirche bewusst, doch hielt er eine radikale Abkehr nicht für den richtigen Weg. Vielmehr setzte er auf den Weg der schrittweisen Veränderung im Rahmen der bestehenden Strukturen. In diesem Sinne spielte er schon bald eine führende Rolle in den kirchlichen Reformbestrebungen und gestaltete aktiv die um Ausgleich bemühten Religionsgespräche mit. Mit seiner ganzen Kraft widmete er sich der Wiedervereinigung der verfeindeten Religionsparteien und kämpfte für die päpstliche Billigung von Priesterehe und dem sogenannten Laienkelch, also die Möglichkeit, auch als Laie innerhalb einer Messfeier geweihten Wein trinken zu dürfen.

Konnte er auch die Trennung der Kirche nicht verhindern, so hat er sich durch seine christuszentrierte Theologie und seine Stärken im Dialog – Zuhören können, auf den Gesprächspartner zugehen, sachlich diskutieren, verlässlich sein –  bleibende Verdienste erworben. Seine Gedanken sind noch immer fruchtbar für eine ökumenische Perspektive.

Wer mehr zum Einfluss des Erasmus von Rotterdam auf Julius Pflug erfahren möchte, dem sei der Vortrag am Donnerstag, 19. Oktober, 19.00 Uhr im Festsaal von Schloss Moritzburg empfohlen. Der katholische Theologe Prof. Dr. Peter Walter, der u.a. als Berater der Kommission für Glaubensfragen der Deutschen Bischofskonferenz tätig war, spricht zum Thema „Erasmus von Rotterdam und sein Einfluss auf die Religionsparteien des 16. Jahrhunderts“.