Kunstwerk der Woche – Prachthandschrift aus dem Kloster Bosau (Posa)

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Augustinus, De civitate Dei (lat. Vom Gottesstaat) | Erkenbert von Bosau, Bosau, zwischen 1168 und 1180 | Pergament, Handschrift| H. 36 cm, B. 24 cm | Schulpforte, Archiv und Bibliothek der Landesschule Pforta, Ms. A 10

 

Die Pergamenthandschrift von Augustinus‘ De civitate Dei (lat. Vom Gottesstaat) entstand zwischen 1168 und 1180 in der Schreibstube des Klosters Bosau bei Zeitz. Heute ist das Kloster unter dem Namen Posa bekannt. Das 1114 gegründete Benediktinerkloster gehörte im Mittelalter zu den Zentren der Buchmalerei in Mitteldeutschland. Es besaß eine überaus reiche Bibliothek.
Ab 1551 stand Kloster Bosau unter der Verwaltung von Bischof Julius Pflug. Nach Pflugs Tod wurde das Kloster 1565 aufgelöst und die Bosauer Bibliothek gelangte nach kurzem Zwischenstopp im Zeitzer Schloss 1573 schließlich nach Schulpforte. Die im Jahr 1543 neu gegründete Landesschule hatte vom Kurfürsten August die Einrichtung einer Bibliothek bewilligt bekommen. Da der noch vorhandene Buchbestand aus dem Zisterzienserkloster Pforte als nutzlos eingestuft wurde, wies der Kurfürst die Domkapitel zu Naumburg und Merseburg an, unter anderem die Bosauer Bibliothek an die Landesschule Pforta abzugeben.
Unter den Beständen, die nach Schulpforte kamen, befand sich auch die Augustinus-Handschrift. Sie stammt von der Hand des Schreibers Erkenbert, wie dessen eigenhändiger Eintrag in der Schrift beweist. Ob er jedoch auch der Buchmaler gewesen ist, bleibt offen. Erkenberts Tätigkeit ist zwischen 1168 und 1185 urkundlich belegt und stellt einen Höhepunkt der Bosauer Schreibkunst dar. Die sehr sorgfältig und gleichmäßig geschriebene Handschrift ist nicht nur wegen ihrer eleganten Silhouetten- und Rankeninitialen eine herausragende Arbeit. Besonders bekannt ist sie für ihre zwei ganzseitigen, einzigartigen Miniaturen. Dabei zeigt eine den Gottesstaat und eine den weltlichen Staat in jeweils sechs Zeitaltern. Mit ihrer bildlichen Interpretation des Augustinus-Textes ist die Handschrift ein Zeugnis der hohen intellektuellen und künstlerischen Fähigkeiten der Schreiber und Buchmaler des Bosauer Klosters.
Dieses in der Fachliteratur als ein Hauptwerk der thüringisch-meißnischen Malerschule bezeichnete Stück gastiert nach 444 Jahren zum ersten Mal wieder in Zeitz und kann noch bis 1. November in der Sonderausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ besichtigt werden.

 

Die Prachthandschrift befindet sich im Museum Schloss Moritzburg | Raum 6 | Julius Pflug als Bischof und Landesherr

Wir stellen vor…

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…Diplom-Bibliothekarin (FH) Cordula Strehl, Mitarbeiterin der Vereinigten Domstifter und Mitglied des Ausstellungsteams der Sonderausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“.

Cordula Strehl, geboren in der Lutherstadt Eisleben, studierte von 1992 – 1996 an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig (FH) Wissenschaftliches Bibliothekswesen. Bereits zu Schulzeiten hegte Sie ein besonders großes Interesse an den Schulfächern Deutsch und Geschichte. Gemäß diesen Interessen sowie ihrer Persönlichkeit entsprechend, entschied sie sich nach dem Abitur für den Studiengang Wissenschaftliches Bibliothekswesen, weil dieser ausreichend Abwechslung in Form von Computer- und Bürotätigkeiten, aber auch einen direkten Umgang mit den Bibliotheksnutzern sowie selbstständiges Arbeiten mit wissenschaftlichen Quellen beinhaltete. Nach Erhalt des Diploms erhielt Cordula Strehl im Jahr 1997 die Stelle als Bibliothekarin bei den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz. Seither betreut sie die Domstiftsbibliothek in Naumburg sowie in Merseburg und die Stiftsbibliothek in Zeitz. Konkret ist sie hier zuständig für die Katalogisierung aller Bibliotheksmedien der Vereinigten Domstifter und deren Eingabe in den Verbundkatalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV), der zur größten Datenbank zur Katalogisierung in Deutschland zählt. Außerdem übernimmt sie den Auskunfts- und Beratungsdienst für Benutzer und beantwortet deren Fragen anhand von schriftlichen Ausarbeitungen oder auch persönlich direkt vor Ort. Die Bestandspflege sowie die Verwaltung und der Aufbau eines Bildarchivs gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben. Darüber hinaus bearbeitet Frau Strehl Bildanfragen zu den Kunst- und Kulturschätzen der Vereinigten Domstifter, die in Publikationen abgedruckt werden. Ebenfalls führt sie Gruppen durch das Domstiftsarchiv und die Domstiftsbibliothek in Naumburg sowie durch die Stiftsbibliothek in Zeitz.

In den nunmehr 20 Jahren, in denen Cordula Strehl als Bibliothekarin (FH) bei den Vereinigten Domstiftern tätig ist, hat sich ihre Faszination zu historischen Werken nur noch mehr vertieft. Bücher bedeuten für Cordula Strehl ein „Stück Geschichte, die man in den Händen halten kann und welche dadurch wieder fassbar und gegenwärtig werden“. Umso mehr begegnet sie den Überlieferungen mit Respekt wie z. B. der Zeitzer Ostertafel aus dem Jahr 447 n. Chr., das älteste Handschriften-Fragment, das in der Stiftsbibliothek aufbewahrt wird. Aber nicht nur die Inhalte prägen die historische Hinterlassenschaft, sondern auch deren teils sehr unterschiedlich und aufwendig gearbeiteten Einbände. „Diese reichen von Pergament-Einbänden, Kettenbänden, Lederbänden mit und ohne Holzdeckel bis hin zur Buntpapierbänden “, begeistert sich Cordula Strehl. Spannend sind auch die Geschichten, welche die handschriftlichen Einträge ehemaliger Besitzer der Bücher erzählen. Zum einen lässt sich darauf lesen, welche Gedanken der Besitzer zu dem jeweiligen Werk hatte und zum anderen erschließt sich anhand unterschiedlicher Schriftarten oder Signaturen, ob es möglicherweise unterschiedliche Besitzer gab und wer diese waren. Auch privat ist Lesen für Cordula Strehl noch ein Vergnügen. „Vor allem gut recherchierte Biografien von interessanten Persönlichkeiten, wie Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern der Vergangenheit lese ich sehr gern“.

Mit der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ erhielt Cordula Strehl nun erstmals die Möglichkeit, als fester Bestandteil des Ausstellungsteams an der Sonderschau mitzuwirken. Ihre vordergründigen Aufgaben umfassten hier diverse Recherchearbeiten, Empfehlungen möglicher Leihobjekte sowie das Erfassen der Leihgaben in einer Datenbank. Sie war außerdem dafür zuständig, Literatur von anderen Bibliotheken über Fernleihen zu beschaffen oder relevante Werke aus den (Dom-)Stiftsbibliotheken bereit zu stellen. Am umfangreichen Katalog zur Ausstellung hat sie ebenfalls mit großen Anteil mitgewirkt, indem sie einige Objektbeschreibungen anfertigte, einen Essay schrieb und bei der Bildredaktion mitarbeitete. Eine der wohl spannendsten Aufgaben für Cordula Strehl war wohl die Rekonstruktion des Gelehrtenzimmers Pflugs nach historischen Quellen. Hierfür zog sie verschiedene Quellen zu Rate, die Hinweise darauf lieferten, welche Elemente typisch für ein Gelehrtenzimmer des 16. Jahrhunderts waren. Die Recherche nach der Lage des Studierzimmers innerhalb der einstigen Zeitzer Bischofsburg sowie die Rekonstruktion der einzelnen Studien- und Kunstobjekte, die sich in dem Raum befanden, gehörten ebenso zu ihren Aufgaben. Glücklicherweise half hierbei die umfangreiche Hinterlassenschaft des Bischofs Julius Pflug selbst. Sowohl ein Katalog seiner gesammelten Werke als auch Inventare, die ein Jahr nach seinem Tod im Jahr 1565 entstanden, geben uns heute Hinweise darauf, wie Pflug seine Arbeitsumgebung gestaltete.

„Mich interessiert an Julius Pflug nicht nur seine Rolle als Bischof und Landesherr sowie als Vermittler zwischen den Konfessionen, sondern auch seine Person als Gelehrter mit seiner umfangreichen Privatbibliothek, die zum Glück fast vollständig erhalten geblieben ist“ erklärt Cordula Strehl auf die Frage hin, was sie persönlich an dem Bischof fasziniert. Mit über 1666 Titeln umfasst die in der Stiftsbibliothek Zeitz aufbewahrte Privatbibliothek Pflugs nahezu alle Wissensgebiete der damaligen Zeit, von Jura, über Theologie, Philologie, Geschichte, Geografie, Astronomie, Mathematik und Medizin, um nur einige zu nennen. Er besaß zudem Bücher in den verschiedenen und dennoch typischen Sprachen eines Gelehrten jener Zeit, wie bspw. Deutsch, Latein, Hebräisch, Griechisch und Italienisch. Bücher waren für Pflug jedoch nicht nur Prestigeobjekte, sondern er las vieler dieser Werke und arbeitete auch damit. „Dies bezeugen die zahlreichen Anmerkungen und Gebrauchsspuren“, so Cordula Strehl. Und sie betont weiter: „Es existieren nur noch wenige solcher umfangreichen Privatibliotheken aus der Reformationszeit. So gibt es von den Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon weder ein zeitgenössisches Inventar noch ein geschlossen erhaltener Bibliotheksbestand.“

Für Cordula Strehl sind daher auch die Stiftsbibliothek mit der Privatbibliothek Julius Pflugs und das rekonstruierte Gelehrtenzimmer u. a. mit dem Himmelsglobus, dem Schreibkabinett, dem Astrolabium sowie der gelungenen, lebensgroßen, echtwirkenden Figur des Bischofs Julius Pflug der Künstlerin Lisa Büscher an einem Wangentisch des 16. Jahrhunderts das Highlight der Ausstellung. Sie empfiehlt daher sich die umfangreichen Bücher aus Pflugs Bibliothek einfach mal genauer anzusehen, seien es die individuellen Einbände, persönliche Notizen oder die Illustrationen in einigen der ausgestellten Werke. Denn eine Bibliothek ist auch immer ein Ort voll von gelebter Geschichte!

Sonderausstellung 2018 in Merseburg: Thietmars Welt

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Thietmars Welt.  Ein Merseburg Bischof schreibt Geschichte
Sonderausstellung in Merseburg vom 15.07. bis 04.11.2018

Der Merseburger Dom, einer der bedeutendsten Kathedralbauten Deutschlands, erwuchs vor 1000 Jahren an einem Ort, an dem die Geschicke des Reiches gesteuert wurden. Heute ist der Merseburger Dom ein Juwel an der „Straße der Romanik“ – auch dank seiner reichen Sagenwelt und aufgrund wertvoller Handschriften wie den weltberühmten „Merseburger Zaubersprüchen“, die schon die Gebrüder Grimm in ihren Bann zogen.

Die erfolgreichen Ausstellungen „Zwischen Kathedrale und Welt“ (2004), „Thilo von Trotha – Merseburgs legendärer Kirchenfürst“ (2014) und „1000 Jahre Kaiserdom Merseburg“ (2015) zogen zahlreiche Besucher nach Merseburg und brachten dem Dom eine neue Bekanntheit. 2018 soll nun die nächste kulturhistorische Schau folgen, die sich mit der Chronik Bischof Thietmars von Merseburg und seinen Einblicken in die Geschichtsschreibung der damaligen Zeit auseinander setzt.

DER Ottonenchronist und sein Blick auf das mittelalterliche Europa

Vor 1.000 Jahren starb Thietmar von Merseburg, einflussreicher Bischof im Reich der Ottonen und Vater der mitteldeutschen Geschichtsschreibung. Dies ist Anlass und Ausgangspunkt für eine kulturhistorische Sonderausstellung an seiner Wirkungsstätte – dem Merseburger Dom. Seine berühmte Chronik illustriert anschaulich und lebendig politische und geistliche Ereignisse des 10. Jahrhunderts, bedeutende Personen wie Päpste, Kaiser, Könige und Bischöfe mit all ihren Errungenschaften und Zweifeln sowie religiöse, kulturelle, wirtschaftliche und ethnologische Beobachtungen dieser Zeit.

Anhand der Beschreibungen der Chronik wird die Ausstellung diese Welt wiedererstehen lassen. Der Besucher taucht in die Vorstellungswelt des mittelalterlichen Menschen ein, erlebt Kaiserkrönungen, prachtvolle Hoftage und kirchliche Feste, aber auch den Alltag der Burg- und Dorfbewohner, die Mühen bei der Urbarmachung des Landes, Hungersnöte und Gefahren. Dank hochrangiger Leihgaben sowie ausgewählten Texten aus Thietmars Chronik gelingt es, den Besucher in die Welt des Mittelalters zu entführen.

Ausstellungsorte

Merseburger Dom, Domplatz 7
Kurie Nova, Domstraße 15 (Willi-Sitte-Galerie)

http://www.merseburger-dom.de/ausstellungen/sonderausstellung-2018.html

 

Veranstaltungstipps

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Vortrag und Reisebericht von Pfarrer Zierold
Titel: „Evangelische und orthodoxe Christen in St. Petersburg“
Donnerstag, 24. August 2017 | 19:00 Uhr
Kirchencafé Michel | Michaeliskirchhof 11, Zeitz

Kunstauktion mit musikalischen Einlagen
Gemälde, Zeichnungen & Grafiken
der „Leipziger Schule“ und anderer internationaler Künstler
u.a. Max Klinger, Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke,
Marc Chagall, Andy Warhol, Joseph Beuys
Samstag, 26. August 2017 | 17:00 Uhr | Vorbesichtigung ab 10:00 Uhr
Museum Schloss Moritzburg | Festsaal

Vortrag – Begleitprogramm „Dialog der Konfessionen“
Titel: “ Das Jubiläum der Reformation als ökumenisches Ereignis“
von Dr. h. c. Frank Otfried July, Landesbischof der evangelischen
Landeskirche in Württemberg
Donnerstag, 07. September | 19:00 Uhr
Museum Schloss Moritzburg | Festsaal

Sonderführung – Begleitprogramm „Dialog der Konfessionen“
Titel: „Konflikt und Dialog der Konfessionen“
Freitag, 08. September | 17:00 Uhr
Dauer: 60 min | Preis: 11,00 € p.P.
Treffpunkt: Museum Schloss Moritzburg | Eingang zum Kassenbereich

Familienführung – Begleitprogramm „Dialog der Konfessionen“
Titel: „Wenn Bücher sprechen könnten“
Sonntag, 17. September | 17:00 Uhr
Dauer: 60 min | Preis: 25,00 € (2 Erwachsene + 3 schulpflichtige Kinder)
Treffpunkt: Museum Schloss Moritzburg | Eingang zum Kassenbereich

Alle Veranstaltungen auf einen Blick finden Sie in unserem Veranstaltungskalender zur Ausstellung:

Kalender

Teilsperrung des Zeitzer Doms St. Peter und Paul ist wieder aufgehoben.

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Als Ergebnis der abschließenden Bauberatung zum Zeitzer Dom am 7. Juli, wurde die
ausgesprochene Teilsperrung mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Im Ergebnis der Beratung
und Auswertung der erarbeiteten Unterlagen ist festzustellen, dass zum gegenwärtigen
Zeitpunkt keine Gefahr von den Gewölberippen ausgeht. Nach der Freigabe durch die
Sachverständigen wurde die Rüstung abgebaut. Beide Orgeln können ab sofort wieder
bespielt werden. Im Rahmen der Ausstellung „Dialog der Konfessionen“ können nun auch
die Grabstelle und der Epitaph Julius Pflugs besucht werden. Ebenso ist der Zugang zur
Krypta wieder möglich
Die Untersuchungen am Gewölbe konnten zwar nicht klären, warum es zum Abriss der
Gewölberippen vom Gewölbe gekommen ist. Allerdings zeigen die Untersuchungen, dass
die vorhandenen Gewölberippen als statisch stabiles System anzusehen sind. Vorsorglich
wurde Messtechnik für ein Rissmonitoring installiert. Sollte es unerwartete Veränderungen
der Risse geben, werden diese dadurch sofort erkannt. Das Monitoring soll mindestens die
nächsten drei Jahre bestehen bleiben. Eine notwendige marginale Riss- und
Deckensanierung im betroffenen Gewölbebereich wurde abschließend durchgeführt.
Am 24. April hatte die zuständige Baubehörde des Bistums Magdeburg vorsorglich eine Teilperrung
des Doms empfohlen. Betroffen war das gesamte Querschiff mit anschließendem
Chor. Vorangegangen war eine Rissbildung am Gewölbe mit unklarer Ursache zu Jahresanfang.
In Auswertung der Ergebnisse der Vorprüfungen durch ein zwischenzeitlich beauftragtes
Ingenieurbüro für Baustatik und anhand des Schadensbildes, den festgestellten
Veränderungen im statischen System und den noch nicht bekannten Ursachen der Veränderung,
wurde die Empfehlung einer Teilsperrung ausgesprochen und zeitnah umgesetzt.

Kunstwerk der Woche – Schale aus Compiégne

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Mit der widerrechtlichen Einsetzung des protestantischen Bischofs Nikolaus von Amsdorf im Bistum Naumburg-Zeitz – wir berichteten in der Samstag-Ausgabe vom 12. August 2017 – kam es zu einer weiteren Verschärfung der religiösen Konflikte. Diese eskalierten schlussendlich in den Jahren 1546/47 im Schmalkaldischen Krieg, der gleichzeitig der erste Relionskrieg auf deutschem Boden war. Jene Schlacht, die bei Mühlberg ihren Höhepunkt fand, wurde in zahlreichen Schriften und Kunstwerken wiedergegeben.

Eines dieser Kunstwerke wird in der Sonderausstellung gezeigt. Es handelt sich um eine riesigen Schale, die als Kühlgefäß für Weine gilt. Die bereits restaurierte Schale hat eine Höhe von 52 cm, eine Breite von 48,5 cm und eine Tiefe von 22,5 cm. Das um 1570 entstandene Kühlgefäß ist in der Technik der Majolika aufwendig und farbenfroh verziert. Die Darstellungen auf dem Gefäß zeigen genau diese Schlacht bei Mühlberg, welche 1547 zwischen Kaiser Karl V. und dem protestantischem Schmalkaldischen Bund stattfand.

Doch wie kam es zu jener Auseinandersetzung zwischen dem Kaiser und den protestantischen Reichsfürsten? Kaiser Karl V. war es ein zentrales Anliegen, die Religionseinheit im Reich wiederherzustellen, aber auch seine kaiserliche Zentralgewalt zu sichern, die mehr und mehr durch die erstarkte Macht der Reichsstände untergraben wurde. Die protestantischen Fürsten hingegen versuchten ihre neue Religionslehre zu verteidigen und wenn nötig mit Waffengewalt zu untermauern. Um sich einem möglichen militärischen Angriff des Kaisers entgegenstellen zu können, schlossen sich protestantische Fürsten und Städte in einem Verteidigungsbündnis – dem Schmalkaldischen Bund – zusammen. Anführer dieses Bündnisses waren Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen.

Jedoch war es Kaiser Karl V. nicht sofort möglich, gegen den Zusammenschluss und die Provokationen der protestantischen Fürsten vorzugehen, da er mit Auseinandersetzungen in Frankreich und zudem mit den Osmanen zu kämpfen hatte. Erst als er jene außenpolitischen Bedrohungen im Griff hatte, konnte er sich einer Lösung der Religionsfrage widmen. Kaiser Karl V. versuchte dies erst einmal in Form eines Konzils und durch eine Reihe von Religionsgesprächen. Diese scheiterten jedoch immer wieder an der kompromisslosen Haltung beider Parteien. Somit begannen im Sommer 1546 die Feldzüge zwischen dem Heer Kaiser Karls V. und den Soldaten der protestantischen Fürsten. Ihren Höhepunkt fanden die kriegerischen Auseinandersetzungen im Frühjahr 1547 bei Mühlberg an der Elbe. Von diesen finalen Kämpfen berichtet uns die Kühlschale in einer herausragenden Farbenvielfalt.

Der Kampf wird in mehreren Episoden genau beschrieben. Deutlich zu erkennen ist, dass sich die beiden Armeen auf den verschiedenen Elbseiten gegenüberstehen. Die protestantische Armee versucht, die Stadt Mühlberg auf der linken Seite zu verteidigen. In der Mitte sind Soldaten auf Booten zu erkennen.  Sie werden von ihren Feinden verbrannt. Am oberen Bildrand überquert die Kavallerie Karls V. die Elbe. Der Kaiser gelangt zuerst an das feindliche Ufer und wird dabei von einem Kreuz geleitet. Es handelt sich hier keineswegs um eine rein historische Darstellung. Fiktive Elemente mischen sich darunter, wie z.B. die Personifikation der Elbe auf dem linken unteren Schalenrand, was der Darstellung eine mythologischen Perspektive hinzufügt. Die Sonne am mittleren oberen Schalenrand bezieht sich womöglich auf die Erzählung des Historikers Avila, der von Wunderzeichen während der Schlacht berichtete. Die rechts neben der Sonne befindlichen Personifizierungen von Religion und Ruhm verkünden den erfolgreichen Ausgang der Schlacht.

Am 24. April 1547 kam es zu jenem finalen Kampf an der Elbe, den Kaiser Karl V. für sich verbuchen konnte. Die wichtigsten Anführer der protestantischen Seite wurden festgenommen und entweder zum Tode verurteilt, oder ihnen und ihren nachfolgenden Generationen wurde die Kurwürde entzogen. Darüberhinaus schien mit Kaiser Karls Sieg – kaum ein Jahr nach Luthers Tod – die reformatorische Bewegung am Ende zu sein. Der Sieg ermöglichte beispielsweise, dass der zu unrechtmäßig eingesetzte evangelische Bischof Nikolaus von Amsdorf sein Amt hergeben und es dem Katholiken Julius Pflug, der ja bereits 1542 rechtmäßig vom Domkapitel Naumburg gewählt wurde, überlassen musste.

Was Julius Pflug während seiner Amtszeit als Bischof alles unternahm, um die Konfessionen doch noch zur Einigung zu bringen, erfahren Sie in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“.

Weitere „Kunstwerke der Woche“ finden Sie unter dem Link:

Kunstwerk der Woche

Zahlen, Daten, Fakten – Eine Bilanz nach zwei Monaten Pflug-Ausstellung

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Nach knapp zwei Monaten seit Eröffnung der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation.“ blicken die Vereinigten Domstifter gemeinsam mit der Stadt Zeitz weiter mit positiver Zuversicht auf den Verlauf der Besucherentwicklung. Zwar liegt die Gesamtbesucherzahl mit rund 3200 Gästen derzeit ein wenig hinter den Erwartungen der Veranstalter, jedoch kann dieses Ergebnis nach wie vor mit Stolz betrachtet werden.

Schließlich muss sich die Sonderausstellung um den bisher zu wenig beachteten Bischof Julius Pflug gegen die zahlreichen Reformations-ausstellungen sowie die großangelegte Weltausstellung um die Persönlichkeit Martin Luther durchsetzen. Dass dies keine leichte Aufgabe wird und es neben der Bewerbung in Print- und Onlinemedien vor allem auf eine positive Mundpropaganda der Besucher ankommt, war allen Beteiligten von Beginn an bewusst.

Die Besucherresonanz ist durchweg positiv. Die Auswertung der ersten Besucherfragebögen belegen die hohe Qualität der Pflug-Ausstellung. 58 % der Befragten bewerten die Präsentation der Ausstellung mit „Sehr gut“, 35 % mit einem „gut“. Keiner der Befragten bewertete die Ausstellung mit der Note „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Dies zeigt, dass den Ausstellungsgestaltern um Kurator Dr. Holger Kunde ein hervorragendes Konzept gelungen ist, welches die Besucher mitreißt. Die Aussagen der Gäste sprechen für sich: „Toller Preis für so viel!“, „Herausragende Exponate“, „Ausstellung mit Vorbildcharakter“, „informativ und sehr sinnvoll gestaltet“, „Wir kamen vom Weitem (Spanien), der Weg hat sich aber gelohnt“.

Ein Drittel der rund 3200 Ausstellungsbesucher waren über Reiseveranstalter und sonstige Gruppenreisen nach Zeitz gekommen. Den deutlich größeren Anteil jedoch (2161 zahlende Gäste) machen die Individualgäste aus. Hier zeigte sich eine deutliche Steigerung der Besucherzahlen in den ersten beiden Monaten.

Wie bereits im Juni kamen auch im Juli die meisten Besucher aus Mitteldeutschland (Juni: Sachsen-Anhalt 45 %, Sachsen 22 %, Thüringen 10 % / Juli: Sachsen-Anhalt 43 %, Sachsen 21 %, 12 %) gefolgt von Besuchern aus Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bayern. Auch immer mehr Besucher aus dem Ausland kommen nach Zeitz:  Darunter befinden sich Gäste aus Österreich und der Schweiz, aber auch Besucher aus den Niederlanden, Spanien, Mexico, den USA  sowie Frankreich und Indonesien.

Bisher konnten für die Monate Juni und Juli von insgesamt 2161 Einzelgästen lediglich 258 Besucher aus Zeitz gezählt werden. Hier hoffen und wünschen sich die Veranstalter natürlich noch viele weitere Zeitzer, die „ihrem“ ehemaligen Bischof einen Besuch abstatten.

Der derzeitige Trend in der Besucherentwicklung entspricht den üblichen Jahresstatistiken im Bereich des Tourismus. Bereits zur Landesausstellung „Der Naumburger Meister“ im Jahr 2011 in Naumburg konnte ein ähnlicher allmählicher Besucheranstieg beobachtet werden, deutlich spürbar ab dem Monat August. Auch für die Zeitzer Ausstellung zeichnet sich ein weiterer Aufwärtstrend ab, der anhand der bereits gebuchten Gruppenführungen der nächsten zwei Monate ablesbar ist. Nach aktuellem Stand  verdoppeln sich die Gruppenbuchungen von August zu September und in dem Zusammenhang auch die zu erwartenden Besucherzahlen. Die Buchungen durch Reiseveranstalter oder durch katholische sowie evangelische Gemeinden hält sich hierbei die Waage.

Weiterhin werden die Vereinigten Domstifter in den nächsten zwei Wochen auch gezielt an Firmen und Vereine der Region, aber auch an Schulen und Universitäten herantreten, um weitere Gruppenbuchungen zu akquirieren. Vor allem regionale Schulen, Firmen und Vereine bieten hier ein hohes Potenzial. Gehört der Lebensweg des Bischof Julius Pflug doch unwideruflich zur Zeitzer Heimatgeschichte und sollte daher auch für seine Bewohner von Interesse sein.

Eine wirklich hervorragende Entwicklung zeigt sich auch im Bereich der Führungen für Individualgäste und der Verkauf im Museumsshop. Beispielsweise nutzten im Juli deutlich mehr Besucher das zusätzliche Angebot eines Audio-Guides (Steigerung von Juni auf Juli 275 %). Auch die Teilnehmer an den öffentlichen Führungen konnten auf bis zu 285 % gesteigert werden. Die Angebote des Museumsshops scheinen den Besuchern als Erinnerung oder als Mitbringsel eine Ausgabe Wert zu sein. Die Angebote reichen vom Katalog zur Ausstellung bis hin zu diversen Ansichtskarten, Büchern, Postern, Wein, Kühlschrankmagneten, Taschen uvm. Legt man hier den pro Kopfumsatz zugrunde, ergibt sich eine Steigerung von circa 20 % gegenüber dem Vormonat Juni.

Die Veranstalter empfehlen: Nutzen Sie gerade jetzt die schönen Sommertag für einen entspannten Ausstellungsbesuch mit anschließendem Ausklang im Schlosspark. Als besondere Aktion gewährt die Stadt Zeitz Ihnen den Besuchern 1,00 € auf den Eintritt zum Schlosspark bei Vorlage einer Eintrittskarte zur Ausstellung. Diese Regelung gilt ebenfalls bei städtischen Veranstaltungen wie der Ferienabschlussparty am 09.08., dem Zeitzer Weinfest und musikalischem Autoherbst (16./17.09) und dem Herbstmarkt am 01.10.2017.

Im Dialog mit Kurator Dr. Holger Kunde (Teil 2)

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Was ist für Sie der Grund gewesen sich für Zeitz als Ausstellungsort zu entscheiden? Man hätte die Ausstellung ja auch am wesentlich bekannteren Standort in Naumburg präsentieren können, zumal es Naumburg ja ebenfalls Teil des Bistums.

Der Anspruch ist mit langfristigen Zielen verbunden, Zeitz dabei zu Unterstützung eine kulturelle Größe in Mitteldeutschland zu werden. Das ist ein Prozess der viel Kraft und Zeit erfordert. Nach der Industriegeschichte Zeitz` und dem seit der Wiedervereinigung erlebt Zeitz eigentlich immer wieder ein Auf und Ab, welches bisher auch weniger Berührungspunkte mit Kultur hat. Dies möchte wir für Zeitz stärker in den Fokus rücken und durch die Ausstellung, die wir bewusst in Zeitz angesiedelt haben, fördern.

Ist für den Standort Zeitz dahingehend bereits etwas Nachhaltiges geplant?

Ja da ist durchaus was in Planung. Das Gelehrtenzimmer beispielsweise ist so konzipiert, dass es bestehen bleiben kann und selbst wenn die Ausstellung vorbei ist und die Exponate anderer Leihgeber wieder zurück müssen, so haben wir ja noch einen eigenen Bestand, wodurch es uns möglich gemacht wird Exponate auszuwechseln. Insofern ist es für uns wichtig die Gestaltung der “Pflug-Puppe“ als Identifikationsfigur vor Ort bleibt und auch für Besucher zugänglich gemacht wird. Daher wurden Rahmen der Ausstellung ja auch die Bücherregale verglast, damit es auch langfristig für jedermann einsehbar ist.

Ist geplant, dass die Bibliothek nach der Ausstellung vielleicht sogar feste bzw. tägliche Öffnungszeiten hat?

Auf jeden Fall und auch ihre Benutzbarkeit soll verbessert werden. Aber da arbeiten wir derzeit noch an Lösungen, da ja hierfür auch wiederum neue Stellen geschaffen werden bzw. Gelder zur Verfügung stehen müssen.

Welche Relevanz hat die Ausstellung für die heutige Zeit?

Die Ausstellung hat eine hohe Relevanz für die Gegenwart, weil Sie versucht die Entwicklung einer Entfremdung des 16. Jh. die bis heute angedauert hat, zu skizzieren und gleichzeitig ein stückweit ein Resumée zieht wo wir denn heute stehen. Gibt es nicht inzwischen viel mehr Positionen, die durch das Bemühen von beiden Seiten erreicht worden sind, die erkennen lassen, dass eine Aufspaltung in zwei Konfessionen uns fragen lässt: Ist die Aufspaltung in zwei Konfessionen nach 500 Jahren noch sinnvoll? Was trennt uns eigentlich noch? Und genau diese Frage zu stellen und dem Besucher dies vor Augen zu führen, ist etwas von großer Wichtigkeit in unserer heutigen Zeit. Die Ausstellung soll einen Anstoß liefern, dass viel mehr Menschen sich mit dieser Materie auseinandersetzen, hinterfragen und so in naher Zukunft Fortschritte erzielt werden können.

Wie sehe denn Ihrer Meinung nach eine Lösung aus?

Das ist natürlich eine Frage, die sehr viel Überlegung bedarf, aber worum es erst einmal geht ist doch, dass die grundsätzlichen Probleme des 16. Jh. nicht mehr relevant sind. Die Frage der Rechtfertigung ist durch eine gemeinsame Erklärung durch die katholische und evangelische Seite gelöst. Die Frage des Papstes da gibt es durchaus Möglichkeiten wie man damit umgeht und wenn wir die Rolle des gegenwärtigen Papstes sehen, dann kann man wohl feststellen, dass er in seiner Vorbildwirkung eine solche Relevanz genießt, dass man sich auch von evangelischer Seite Fragen muss, wie man damit umgeht! Und auch gewisse andere Punkte wie beispielsweise die apostolische Suksession, die Martin Luther wehement bekämpft hat, muss man schauen wie die lutherische Landes- und Staatskirche von Schweden die Frage behandelt hat. Sie hat apostolische Suksession ein zu eins übernommen und die anglikanische Kirche auch, also scheint es ja kein theologisches Problem zu sein auf das sich eine evangelische Seite nicht einlassen könnte – Fragezeichen!

Wir sind davon zeuge geworden, dass zwei unterschiedliche Staaten vereinigt wurden zu einem gemeinsamen Deutschland, das war ganz sicher auch keine einfach Aufgabe, warum sollte das nicht auch für zwei Konfessionen, die im Grunde genommen wenig haben was sie trennt, auch funktionieren?

Was können insbesondere jüngere Menschen aus der Ausstellung mitnehmen bzw. gibt es eine besondere pädagogische Komponente?

Gerade in unseren Breitengraden wird spürbar, dass der katholische und evangelische Glaube keine Bedeutung mehr hat, Jugendliche sind teilweise so fern von diesen Wertvorstellungen, dass es notwendig ist, die Jugendlichen zu konfrontieren worum es bei der Glaubensfrage überhaupt geht. Es wird sicherlich der Fall sein, dass viele sagen, es interessiert mich nicht, aber es wird auch viele geben die überrascht sein werden und sagen werden das hab ich einfach gar nicht gewusst. Und wenn wir gewissen Fragen einfach stellen oder auch Antworten anbieten, wie man es sich vorstellen kann, dann seh ich gar keinen anderen Weg als diesen.

Sind Sie eigentlich getauft? Welcher Konfession sind Sie zugehörig?

Ja ich bin evangelisch getauft. Aber ich muss gestehen, in der Auseinandersetzung mit dem Thema Julius Pflug, muss ich feststellen, dass das Wort evangelisch für mich nicht die ganze Wahrheit darstellt. Ich bin Christ und sehe die Zukunft der Religion im Zusammenwirken beider Seiten und das das was auf katholischer Seite passiert eben auch dazu gehört.

Wie würden Sie einem Atheisten die Ausstellung so schmackhaft machen, dass er trotz seinem möglichen Desinteresse an dem Thema Religion in die Ausstellung geht? Was ist Ihr Argument für Nicht-Gläubige?

Ich würde versuchen den Atheisten mit der eigenen Gegenwart zu packen. Wir sehen was Bewegungen die entstanden sind, wie Pegida für Folgen im öffentlichen Raum haben. Wir sehen täglich wie Emotionen geschürt werden, wie Verdächtigungen ungeprüft und ungehindert gegen andere geäußert werden können, die zur Verhärtung des sozialen Klimas führen können. Und ihm zu zeigen, dass diese ähnlichen Prozesse zur Zeit des 16. Jh., egal ob man katholisch, evangelisch oder calvinistisch war, dadurch Taten provoziert wurde, die die letztlich in der Katastrophe des 30-jährigen Krieges mündeten oder im Abschlachten der Hugenotten in Frankreich. Das sind Dinge die sollte man kennen und wissen wohin es führt. Das sollte man ebenso den Atheisten deutlich machen, dass es heutzutage nicht mehr reicht zu sagen „das interessiert mich nicht“ , der Mensch ist wie er ist, ob es um Religion geht oder um Rohstoffe, Markenprodukte etc. Es sind immer Anlässe gegeben die ins Chaos führen können und je besser man weiß wo hin es führen kann, wenn Hass verbreitet, provoziert und geschürrt wird, umso klarer wird der Umgang damit. Und deswegen sollten wir uns gerade in unserer heutigen Zeit, wo wir diesen Prozessen täglich begegnen, damit auseinandersetzen. Und gerade Pflug als jemanden kennenzulernen, der anders ist, der versucht diese Schärfen und Hasspredigten abzustellen und das mit einer Konsequenz die bewundernswert ist. Und er immer wieder versucht im Umgang mit anderes Denkenden eine Toleranz walten zu lassen, das sind Eigenschaften die uns alle imponieren können, egal ob man nun gläubig ist oder nicht. Und es sind menschliche Eigenschaften, die für die Gegenwart hochaktuell sind im Umgang mit den heutigen Herausforderungen, denen wir uns politisch und auch vor allem religiös ausgesetzt sehen. Wichtig ist auch zu wissen, was sind die Alternativen, denn es gibt sie, man muss sie nur kennen!

 

Falls Sie Teil 1 des spannenden Interviews mit Dr. Holger Kunde verpasst haben, klicken Sie auf den folgenden Link:

Im Dialog mit Kurator Dr. Holger Kunde (Teil 1)

Kurzmeldungen – Preis für Ausstellungsarchitekt Jürg Steiner

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Am 21. Juni 2017 wurde im Rahmender Messe stage|set|scenery (www.stage-set-scenery.de), veranstaltet von der Messe Berlin und der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft in Berlin nach 2015 zum zweiten Mal der Weltenbauer. Award verliehen. Ausgezeichnet wurden die vier kreativsten bühnentechnischen Lösungen aus der Summe der Einreichungen in Entwurf und Umsetzung. Jürg Steiners Projekt, die gestalterisch-technische Umsetzung der Ausstellung ›1000 Jahre Kaiserdom Merseburg, die 2015 im Schloss und im Dom Merseburg stattfand, überzeugte die Jury. Bei seiner Laudatio hob der Geschäftsführer der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft, Hubert Eckart, die innovative Anwendung traditioneller theatertechnischer Technologien wie den Einsatz großflächiger Prospekte und Prospektzüge zum Zweck der Raumbildung für die temporäre Simulation des mittelalterlichen Doms hervor. Ebenso die technische Umsetzung in der denkmalgeschützten Anlage und die Fixierung dieser Prospekte und Prospektzüge ohne Bohren reflektierten den komplexen denkmalpflegerischen Umgang. Den Vorsitzenden der Theatertechnischen Gesellschaft, Arved Hammerstädt, faszinierten die Verwendung bühnentechnischer Hilfsmittel bei der Schöpfung außerordentlicher Raumeindrücke im Dom zu Merseburg und die Verwandlung eines Kirchenraums in neuartige und stimmungsvolle Bilder.

Wir stellen vor Kurator Dr. Holger Kunde

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…Dr. Holger Kunde, Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz und Kurator der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“.

Bereits in jungen Jahren entwickelte Holger Kunde ein starkes Interesse an Geschichte, sowie Kulturgeschichte und Kunst. Nicht nur das schon zu Schulzeiten Geschichte sein Lieblingsfach war, der geborene Hallenser zeigte besonderes Interesse an Napoleon und den Befreiungskriegen. Erst im Laufe der Zeit und vor allem mit seinem Studium seit 1990 an der Martin Luther-Universität Halle/Wittenberg in den Fächern Geschichte, Kunstgeschichte und historische Hilfswissenschaften kristallisierte sich mehr und mehr seine Vorliebe für die Zeit Mittelalters heraus. In der Nachwendezeit gab es einige Umbrüche an der MLU und so entschied sich Holger Kunde nach seiner Zwischenprüfung an die Universität in Bamberg zu wechseln. Hier sammelte Holger Kunde nicht nur neue Erfahrungen, sondern es bot sich auch die Möglichkeit über das ERASMUS-Programm in Chieti (Italien) zu studieren. Sein Studium schloss er mit seiner Magisterarbeit über das Benediktinerkloster Reinsdorf/Unstrut ab. Im Anschluss daran promovierte Holger Kunde in Jena bei Prof. Dr. Matthias Werner zum Thema „Der verdrängte Gründer. Die Urkundenfälschungen und die frühe Geschichte des Zisterzienserklosters Pforte bis 1236“. Dr. Holger Kunde erhielt für diese Arbeit im Jahr 2000, die sich mit einem bis dahin unbekannten Urkundenfälschungskomplex und dessen Ursachen auseinandersetzte, den Dissertationspreis der Friedrich-Schiller Universität Jena. Die Arbeit an der Dissertation führte ihn nun auch mehr und mehr nach Naumburg und deren im Dom befindlichen herausragenden Archiv- und Quellenbestände. Daher war es auch kein Zufall, dass sich Dr. Kunde im Anschluss an seine Promotion auf eine gerade vakant gewordene Stelle bei den Vereinigten Domstiftern als Archivleiter für Naumburg, Merseburg und Zeitz bewarb.

Aufgrund seiner bereits vorhandenen Archiv-Kenntnisse bekam er die Stelle und hatte bis 2007 die Leitung über die Archive aller drei Standorte inne. Von 2007 bis 2015 bekleidete Dr. Holger Kunde das Amt des Direktors und Stiftskustos, was aufgrund einer Umstrukturierung innerhalb der Stiftung in der Bezeichnung Stiftsdirektor zusammengefasst wurde. Man könnte auch sagen „vom Wissenschaftler zum Unternehmer“, denn nichts anderes beinhaltet die Arbeit eines Stiftsdirektors. Es geht hauptsächlich um die Personalplanung, die Verteilung der Gelder, diverse Projektleitungen und die kulturelle Förderung der Region. Darin besteht für Holger Kunde auch der Reiz an seiner Arbeit bei den Vereinigten Domstiftern: „für Hinterlassenschaften die über Jahrzehnte nicht angefasst wurden, Lösungen zu suchen und zu finden, damit diese die Standorte nachhaltig prägen“, so Dr. Holger Kunde. Die Vision Holger Kunde`s für die Stiftung ist, sie zu einem „kulturellen Player“ in Mitteldeutschland emporzuheben und das gerade weil die Region so viel zu bieten hat, was teilweise auch noch im Verborgenen liegt.

Im Besonderen spiegelt sich das durch die zahlreichen Ausstellungen, die Dr. Kunde seit 2004 nun schon als Kurator oder zumindest als Projektleiter organisiert hat, wieder. Die zwei Ausstellungen zu denen Holger Kunde dabei eine spezielle Bindung hatte, war zu einen seine allererste Ausstellung „Zwischen Kathedrale und Welt – 1000 Jahre Bistum Merseburg“ im Jahr 2004. Es ist wie mit so vielen Dingen die man das erste Mal macht, sie werden immer eine besondere Rolle spielen. In diesem Fall war es für Holger Kunde die neue Herausforderung eine Ausstellung komplett zu konzipieren und zu organisieren. Zum anderen nennt Dr. Kunde auch die Landesausstellung 2011 „Naumburger Meister – Bildhauerarchitekt im Europa der Kathedralen“ als eines seiner Highlights, da diese „in ihrer Dimension nicht vorherzusehen war“, weder was die Konzeption, noch was die Besucherzahlen betraf.

Aber auch seine Freizeit verbringt Dr. Holger Kunde ganz im Sinne seiner beruflichen Leidenschaft. Neben den Rotariern engagierte er sich lange Zeit als Vorsitzender des Saale-Unstrut Vereins für Geschichte und Naturkunde, er ist Mitglied der historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, außerdem ist er Vorstandsmitglied des Europäischen Romanikzentrums sowie Mitglied im Mittelalterzentrum in Magdeburg. Sein wichtigster Ausgleich zur Arbeit jedoch ist das Tischtennis spielen. Die Sportart, die er seit frühester Kindheit betreibt, ist für ihn ein Mittel, um mal abzuschalten und alles hinter sich zu lassen.