Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Skulpturensammlung, SAV 2002, 2023, 2024 (ausgestellt im Schlossbergmuseum Chemnitz | Hl. Michael aus dem Schrein: Holz, gefasst (Fassung von Pancratius Grueber, Höhe: 2,00 m (in Ausstellung)

Zum Abschluss der Reihe „Kunstwerk der Woche“ soll an dieser Stelle noch ein ganz besonderes Highlight aus der Sonderschau „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ vorgestellt werden. Nach fast 200 Jahren ist er im Rahmen der Zeitzer Reformationsausstellung zurückgekehrt: der Zeitzer Erzengel Michael!

Dieser hat für die Stadt Zeitz und somit auch für jeden einzelnen Zeitzer eine herausragende Bedeutung, denn er ist nicht nur Kirchenpatron der Michaeliskirche Zeitz, sondern auch Motivgeber des im 15. Jahrhundert entwickelten und 1928 amtlich bestätigten Stadtwappens. Daher waren die Ausstellungsgestalter überaus begeistert, als die Zusage der staatlichen Kunstsammlungen Dresden für die einst in einem Altaraufsatz (Retabel) integrierte Figur des Erzengels eintraf.

Bei der Figur des Zeitzer Kirchenpatrons Michael handelt es sich um eine monumentale Skulptur von zwei Metern Höhe, die von dem Künstler Pankraz Grueber aus Holz geschnitzt und gefasst wurde. Der um das Jahr 1520 datierte Erzengel trägt ein reich in Falten geworfenes und golden bemaltes Gewand. Unter seinem rechten Fuß erkennt man eine gräßlich anmutendende Figur, die einen Drachen darstellen soll. Aus seiner Rückenpartie ragt ein großer goldener Flügel hervor, der ihn als Engel auszeichnet. Ein zweiter Flügel ging wohl verloren. Der rechte Arm ragt weit nach oben. Jedoch fehlen hier die Hand und das Schwert darin, welches er erhoben zum Schlag ansetzt und das ihn als Erzengel Michael auszeichnet. Der linke Arm befindet sich nah an den Körper gepresst, aber auch hier fehlt die Hand sowie ein weiteres für ihn typisches Attribut wie beispielsweise ein Schild oder eine Waage. Sein Haar zeichnet sich im Besonderen durch die Korkenzieherlocken aus, sein Blick ist gen Boden geneigt und auf dem Kopf trägt er nicht wie üblich einen Helm, sondern eine einfache Kopfbedeckung.

Dank eines Vertrages zwischen dem damaligen Kirchenältesten der Stadt Zeitz und dem „Maler“ Pankraz Grueber vom 20. Mai 1520 lässt sich der heute nicht mehr existierende Altar rekonstruieren. So erfahren wir daraus, dass der Heilige Erzengel Michael im Mittelschrein rechts neben der Zentralfigur der Mutter Gottes stand. Als dritte Hauptfigur dieses Mittelteils stand links neben Maria eine der beliebtesten weiblichen Heiligen des Mittelalters, Katharina von Alexandrien. Weiterhin besaß das Retabel rechts und links des Mittelschreins zwei bewegliche Seitenflügel, die geschnitzte Darstellungen der zwölf Apostel zeigten. Die Seitenflügel wurden traditionell in den beiden Fastenzeiten vor Weihnachten (Advent) und vor Ostern (Passion) geschlossen, sodass die Figuren nicht zu sehen waren.

Warum jedoch kann man in der Ausstellung „Dialog der Konfessionen“ nicht den gesamten Altar besichtigen? Im Jahre 1827 veranlasste der Superintendent der Zeitzer Kirchengemeinde, Fridrich Delbrück, den Abriss des gesamten Altars aus der Michaeliskirche und verkaufte ihn stückweise an diverse Abnehmer. Ein Großteil der Skulpturen gelangte dabei nach Dresden, wo gegen Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 fast alle Figuren bis auf den Zeitzer Erzengel Michael sowie sechs weitere Skulpturen verbrannten. Kurator Dr. Kunde sieht es als tragisch an, dass der Hochaltar samt des monumentalen Altarretabels über die Jahre hinweg völlig zerstört wurde. Für Kunde ist damit ein besonderer kunsthistorischer Schatz der Stadt Zeitz verloren gegangen. Dennoch sieht er es auch als besonderes Zeichen, dass der Heilige Erzengel Michael, der als eine der wenigen Figuren erhalten geblieben ist, in diesem Jahr und im Rahmen dieser Sonderausstellung nach Zeitz und somit in die Stadt, die er in so vielerlei Hinsicht prägte, zurückkehrt.

Dies zeigt sich beispielsweise im Zeitzer Stadtwappen. Das Zeitzer Wappen wird seit Mitte des 15. Jahrhunderts von der Darstellung des Erzengels Michael geprägt. Deutlich ist zu erkennen, wie ein Mann in weißer Rüstung und ausladenden Engelsflügeln mit erhobenem Schwert in der rechten Hand und einem Schild in der linken Hand versucht, den unter ihm liegenden Drachen zu töten. Damit hebt sich das Zeitzer Stadtwappen von vielen anderen ab, da es keine starren Gegenstände oder Figuren zeigt, sondern eine biblische Szene, die Symbolkraft besitzt und eine klare Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte des Heiligen Erzengels Michael, der in seiner Rolle als Fürst der himmlischen Heerscharen den „Bösen Mächten“ wie dem Teufel in Gestalt des Drachens entgegentritt, die Menschen vor Fehlern bewahrt und die Toten ins Seelenheil führt. Seine Eigenschaften sind Stärke, Macht und Barmherzigkeit. Dies ist ein wunderbarer Ausdruck dafür, mit was sich Zeitz identifiziert und was die Zeitzer als Aussage nach außen transportieren möchten.

Nutzen Sie die verbleibende Zeit bis zum 1. November 2017 um  die Skulptur des Zeitzer Erzengel Michael zu besichtigen und würdigen Sie damit einen besonderen kulturhistorischen Schatz Ihrer Heimatstadt!